Die EU-Kommission hat gegen den Chiphersteller Qualcomm wegen illegaler Geschäftspraktiken eine Strafe von 242 Millionen Euro verhängt. Das Unternehmen habe vor rund zehn Jahren seine marktbeherrschende Stellung ausgenutzt, um Konkurrenten zu verdrängen, teilte die EU-Kommission mit. Qualcomm will Widerspruch gegen die Entscheidung einlegen.

Das US-Unternehmen hat der Kommission zufolge zwischen 2009 und 2011 Chips unter Produktionskosten verkauft – unter anderem an den chinesischen Huawei-Konzern –, um den Konkurrenten Icera auszuschalten. Zu dem Zeitpunkt habe Qualcomm einen Marktanteil von rund 60 Prozent und damit eine marktbeherrschende Stellung gehabt. Die Maßnahmen seien getroffen worden, als Qualcomm Icera als ernste Bedrohung wahrgenommen habe. Icera wurde 2011 vom Grafikkartenspezialisten Nvidia übernommen, der 2015 die Modem-Chip-Sparte schließlich abwickelte. 

"Das strategische Vorgehen von Qualcomm verhinderte Wettbewerb und Innovation auf diesem Markt und beschränkte die Auswahl der Verbraucher in einer Branche, in der die Nachfrage nach innovativen Technologien und das Potenzial dafür sehr hoch sind", sagte die zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager. Interne Dokumente hätten gezeigt, dass dies absichtlich geschehen sei.

Qualcomm bestreitet Vorwürfe

Die EU-Wettbewerbshüter hatten im vergangenen Jahr gegen das Unternehmen bereits eine Strafe von fast einer Milliarde Euro verhängt. Damals ging es aus Sicht der Wettbewerbshüter um unerlaubte Methoden, mit denen sich das Unternehmen einen Platz für seine Chips in Apples iPhones und iPads sicherte. Qualcomm habe Milliarden US-Dollar an Apple gezahlt, damit der iPhone-Hersteller ausschließlich Qualcomm-Chips nutze. Nach Einschätzung der Wettbewerbshüter wollte Qualcomm vor allem den Konkurrenten Intel aus dem Markt heraushalten.

Qualcomm bestritt die Vorwürfe. Das Unternehmen will auch im aktuellen Fall vor dem EU-Gericht in Luxemburg klagen, hieß es in einer Stellungnahme. Der US-Konzern widersprach der Kostenrechnung der Kommission und teilte mit, die Kunden hätten sich damals nicht wegen der Preise für Qualcomm-Chips entschieden, sondern weil sie technologisch überlegen gewesen seien.