Der angeschlagene Touristikkonzern Thomas Cook setzt auf umfangreiche Kapitalzuschüsse seines chinesischen Hauptaktionärs Fosun. Man befinde sich in fortgeschrittenen Gesprächen mit der Gruppe sowie beteiligten Banken über eine Kapitalzuführung in Höhe von 750 Millionen britischen Pfund (rund 834 Millionen Euro), teilte das Unternehmen mit. Fosun könnte im Zuge dessen die Kontrolle über das Reisegeschäft erlangen und eine Minderheitsbeteiligung am Fluggeschäft übernehmen.

Das Angebot von Fosun sei das beste gewesen, das auf dem Tisch des Vorstands gelandet sei, sagte Vorstandschef Peter Fankhauser in einer Telefonkonferenz. "Das ist zwar nicht das Ergebnis, das wir uns für unsere Aktionäre gewünscht hätten, aber der Vorschlag ist eine pragmatische und verantwortliche Lösung, die uns die Mittel gibt, die Zukunft von Thomas Cook zu sichern", erklärte der Schweizer.

Bis zur Entscheidung wird ein Verkauf der Airline-Sparte inklusive der deutschen Condor ausgesetzt. Im Februar hatte das Touristikunternehmen mitgeteilt, die Fluggesellschaft Thomas Cook Aviation veräußern zu wollen. Ursprünglich hatte die Lufthansa Interesse an einer Übernahme von Condor gezeigt, zuletzt aber signalisiert, diese Pläne nicht weiter zu verfolgen. Fosun ist seit vier Jahren mit 18 Prozent an Thomas Cook beteiligt und damit größter Aktionär.

Das Geld soll Thomas Cook die Geschäftsabwicklung und Preisverhandlungen im Winterhalbjahr 2019/2020 sichern und Investitionen ermöglichen. Zudem soll die Verschuldung des britischen Unternehmens abgebaut werden, ein Teil davon soll auch in Eigenkapital verwandelt werden. Das würde die Anteile der Aktionäre allerdings negativ beeinflussen. Am Freitagmorgen zeichnete sich bereits ein deutlicher Kursverlust der Aktien ab.

Schlechteres Sommergeschäft als 2018

Thomas Cook hatte im ersten Halbjahr 1,5 Milliarden Pfund Verlust ausgewiesen, zum Großteil wegen einer Abschreibung von 1,1 Milliarden Pfund auf die Tochter MyTravel. Das Unternehmen war 1841 von Baptistenprediger Thomas Cook gegründet worden, der Zugreisen von Leicester nach Loughborough veranstaltete. Ende 2006 übernahm KarstadtQuelle die restlichen Anteile der Lufthansa. Durch die Übernahme der britischen MyTravel wurde Thomas Cook 2007 an die Londoner Börse gebracht – damals mit einem Börsenwert von vier Milliarden Pfund.

Das Sommergeschäft läuft für das Unternehmen bisher mäßig. Die Reisebuchungen lägen neun Prozent unter Vorjahr, die Flugbuchungen um drei Prozent, teilte Thomas Cook mit. Das operative Ergebnis werde deshalb im zweiten Halbjahr noch schlechter ausfallen als im ersten. 2018 reisten elf Millionen Kunden mit Thomas Cook.