Daimler-Vorstandschef Ola Källenius hat rechte Umtriebe im Stammwerk in Stuttgart-Untertürkheim scharf kritisiert. In einer auf deutsch und englisch veröffentlichten Erklärung schrieb er: "Daimler ist nicht nur ein Innovations- und Jobmotor, sondern auch ein Motor für Integration. Wir sind so divers wie unsere Kunden. Diese Vielfalt macht uns stark. Deshalb haben Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz bei uns keinen Platz."

Damit reagierte Källenius erstmals öffentlich auf ein Video der Gruppierung "Zentrum Automobil", die sich selbst als "unabhängige Gewerkschaft" bezeichnet. In dem Video kritisiert die Gruppe die Entlassung von zwei Daimler-Beschäftigten als "völlig absurd". Den beiden wurde bereits 2018 gekündigt, weil sie einem türkischstämmigen Kollegen und Funktionär der IG Metall über Monate hinweg über den Messengerdienst WhatsApp Hitler- und Hakenkreuzbilder sowie verächtliche Bilder über Moslems zugesandt hatten.

"In der Regel äußern wir uns nicht zu Kündigungen und laufenden Kündigungsschutzverfahren", so Källenius. Der Film habe aber Irritationen verursacht. In dem Video komme es "aus Unternehmenssicht zu einer äußerst bedenklichen Verzerrung der Wahrnehmung zwischen Opfern und Tätern". Daimler habe die Kündigungsverfahren in erster Instanz gewonnen. "Das Gericht hat in den Urteilsbegründungen das rassistische und fremdenfeindliche Verhalten bestätigt."

11 von 755 Betriebsräten

In Deutschland arbeiten dem Unternehmen zufolge Menschen aus über 150 Ländern bei Daimler. Personalvorstand Wilfried Porth schrieb in der Erklärung: "Respekt, Offenheit und Kollegialität sind die Werte, die uns erfolgreich machen. Dafür stehen wir gemeinsam ein. Darum gilt: Flagge zeigen, statt wegducken."

Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht sagte, Rechtsextremismus habe bei Daimler nichts zu suchen. Es gebe auch keinen rechtsfreien Raum, wozu sich das Unternehmen durch die ausgesprochenen Kündigungen auch klar bekannt habe. "Die WhatsApp-Nachrichten verstoßen gegen unser Grundgesetz, was das Arbeitsgericht bestätigt hat." In Deutschland gehören Brecht zufolge bei Daimler 11 von insgesamt 755 Betriebsräten der Gruppe "Zentrum Automobil" an. Das sei "für meinen Geschmack elf Personen zu viel". Aber die "überwältigende Mehrheit" der Betriebsräte stelle sich gegen rechts.