Bei all den Schlagzeilen über den Krach in Berlin, Brüssel oder Washington übersieht man gern mal die kleinen Nachrichten aus der Nachbarschaft. Dabei lohnt es sich, auch da genau hinzuschauen. Sie machen nämlich Mut. Beispielsweise die gestrige Meldung, dass Österreich künftig die Anwendung von Glyphosat verbieten wird. Das ist gleich aus drei Gründen wunderbar.

Erstens, weil damit immerhin rund 84.000 Quadratkilometer bald nicht mehr mit dem umstrittenen Pflanzenvernichtungsmittel besprüht werden. Zweitens, weil es zeigt, dass sich im Umweltschutz doch was in die richtige Richtung bewegt (sollte die EU nicht noch reingrätschen). Und drittens, dass oft nicht ein großer, sondern viele kleine Schritte am Ende zum Erfolg führen.

Gerade beim Kampf für eine ökologischere Landwirtschaft war das bisher fast immer so. Vor Jahren schon, als die ersten Nachrichten über die Schädlichkeit von Glyphosat für Boden und Bienen die Runde machten, begann ein kleines Dorf in Südtirol mit dem Widerstand. Ein paar Bürger begannen 2013, Unterschriften zu sammeln. 2014 gewannen sie einen Bürgerentscheid. 2015 konnten sie bei der Kommunalwahl auch den Widerstand im Gemeinderat brechen. Und Anfang 2016 änderte der neue Gemeinderat die Satzung: Seitdem ist die Anwendung von Pestiziden dort verboten. Es gibt sogar einen Film über das "Wunder von Mals", er dokumentiert, wie die Industrie auf vielen Wegen versucht, den Widerstand zu brechen. Und wie sie am Ende erfolglos ist, gegen die mutigen Dorfbewohner.

Heute, ein paar Jahre später, traut sich nicht nur Österreich, Glyphosat zu verbieten. Viele Menschen wollen, dass in der Landwirtschaft mehr Rücksicht auf Natur, Tiere und Pflanzen genommen wird. 

Für besseren Umweltschutz braucht man nicht immer die große Bühne

Und wir wissen inzwischen, dass die Wende hin zu einem anderen Umgang mit der Natur sich nicht durch ein paar internationale Gipfel bewerkstelligen lässt. Sicher braucht es die auch. Aber ebenso verändert werden müssen die vielen Tausend Regeln und Gewohnheiten auf allen politischen Ebenen, die immer noch die Zerstörung der Umwelt ermöglichen. Und es braucht Bürger, die sich in Kommunen und in Unternehmen auf den Weg machen, um was zu ändern.

Einige Beispiele dafür gibt es ja schon. Da ist etwa das Vorhaben, privat Plastik zu vermeiden. Gestern erst schrieb der kleine Verein Letzte Werbung, dass 35.000 Menschen Widerspruch eingelegt haben gegen die in Plastik verpackten Werbebroschüren der Post. Doch würden weiterhin noch viele Millionen dieser Sendungen in Briefkästen landen. 

Und noch eine andere kleine Meldung, wo ein genaues Hinsehen sich lohnt. Die Gemeinde Andernach (Rheinland-Pfalz) gab an, dass sie sich wieder als essbare Stadt feiere. Denn Andernach hat seine öffentlichen Parks bereits vor ein paar Jahren zu öffentlichen Gemüsegärten umgebaut. Das kann man jetzt als Provinz-Romantik verspotten – besser aber sollte man es als beispielhafte Initiative loben, die zeigt, wie Kommunen sich positiv verändern können.

Noch hat die Bundesregierung ihr Klimagesetz nicht verabschiedet, ebenfalls das Gesetz zum Kohleausstieg und das Programm zum besseren Insektenschutz nicht. Dennoch, schaut man darauf und auf all die kleinen Meldungen der letzten Tage, merkt man: Da bewegt sich etwas – und zwar in die richtige Richtung.