Die US-Regierung hat die geplanten Strafmaßnahmen gegen den chinesischen Konzerns Huawei um weitere drei Monate verschoben. Das gab der US-Handelsminister Wilbur Ross im Gespräch mit dem Fernsehsender Fox Business Network bekannt. Die auslaufende Frist für eine "temporäre Generallizenz" werde um 90 Tage verlängert, sagte er.

"Unternehmen brauchen mehr Zeit, sich zu entwöhnen"

"Während wir Verbraucher weiter dazu drängen, sich von Huawei-Produkten zu verabschieden, erkennen wir an, dass es mehr Zeit braucht, um jegliche Störungen zu vermeiden", erklärte Ross die Entscheidung der USA. "Einige ländliche Unternehmen sind abhängig von Huawei", sagte der Minister. Sofortige Sanktionen könnten möglicherweise zu Ausfällen bei kleineren amerikanischen Mobilfunkanbietern in ländlichen Gegenden führen, die für ihre Netze Sendetechnik von Huawei verwenden. Die erneuerte Frist gebe diesen Unternehmen "mehr Zeit, um sich zu entwöhnen", sagte Ross und nannte als neue Frist für das Huawei-Verbot den 19. November.

Für Nutzerinnen und Nutzer von Huawei-Smartphones bedeutet das unter anderem: Google kann Huawei-Telefone, die mit dem Google-Betriebssystem Android laufen, mindestens bis Mitte November weiterhin in vollem Umfang mit Updates versorgen. Auch kann Huawei auf den Geräten weiterhin Googles App-Plattform Play Store sowie andere Google-Dienste wie Karten oder die Websuche vorinstallieren. 

Eigentlich wäre ein erster dreimonatiger Aufschub der Sanktionen, den die US-Regierung im Mai erteilt hatte, an diesem Montag ausgelaufen. Zuvor hatten die USA Huawei und etliche Tochtergesellschaften auf eine schwarze Liste von Unternehmen gesetzt, deren Geschäftsbeziehungen zu US-Partnern strengen Kontrollen unterliegen. Wer US-Technik an Huawei verkaufen oder transferieren will, benötigt eine Lizenz. Die kann laut US-Regierung verweigert werden, wenn Sicherheitsinteressen berührt werden.

Mit Harmony OS will Huawei Sanktionen umgehen

Huawei ist der zweitgrößte Smartphonehersteller der Welt und zudem führender Ausrüster von Mobilfunknetzen, unter anderem in Europa. Die US-Regierung sieht in der Technologie des chinesischen Herstellers ein Sicherheitsrisiko und wirft Huawei vor, Spionage für die chinesische Regierung zu betrieben. Der Konzern wies derartige Vorwürfe stets zurück.

Um den drohenden Sanktionen zu begegnen, hatte Huawei vor Kurzem sein alternatives Betriebssystem Harmony OS vorgestellt. Harmony OS könne das Betriebssystem Android jederzeit auf Smartphones von Huawei ersetzen, teilte der Konzern mit. Schwierig könnte es aber sein, App-Entwickler und -Hersteller davon zu überzeugen, eigens für Harmony OS angepasste Versionen zu produzieren.