Der britische Essenslieferdienst Deliveroo wird seinen Dienst in Deutschland einstellen. Das geht aus einer Mail hervor, die das Unternehmen an Kunden versandte. Deliveroo wolle nun verstärkt andere Märkte in den Fokus nehmen, nachdem sich der Umsatz dort verdoppelt habe, teilte das Unternehmen zur Begründung mit. Dabei gehe es um andere europäische Länder sowie die Asien-Pazifik-Region.

Deliveroo habe sich zum Ziel gesetzt, "Kunden, Fahrern und Restaurants einen herausragenden Service zu bieten". Dort, wo das nicht auf dem gewünschten Niveau realisierbar sei, "sind wir nicht tätig". Bis einschließlich diesen Freitag bietet Deliveroo demnach seinen Dienst noch an, dann wird er eingestellt. Guthaben auf dem Kundenkonto würden zurückerstattet. Deliveroo habe dafür gesorgt, dass Fahrer, Restaurants und Mitarbeiter "angemessene" Vergütungs- und Kulanzpakete erhielten, hieß es ohne nähere Details. Vor einem Jahr hatte sich Deliveroo bereits aus zehn deutschen Städten zurückgezogen und sich auf Berlin und vier weitere Großstädte beschränkt.

Kritik am Einsatz von selbstständigen Fahrern

Deliveroo konkurriert mit seinem Geschäftsmodell mit weiteren Anbietern in Deutschland, darunter Lieferando. Die Dienste fahren auf Bestellung zu Partnerrestaurants, holen dort fertige Gerichte ab und bringen sie den Kunden nach Hause. Während Lieferando die Fahrer als Angestellte beschäftigt, waren die Fahrer bei Deliveroo als Selbstständige unterwegs. Diese Praxis hatten Gewerkschafter immer wieder kritisiert.

Als Amazon im Mai 2019 bei Deliveroo eingestiegen war, hatte der neue Deutschland-Chef Marcus Ross noch angekündigt, das Unternehmen werde im dritten Quartal 2019 bereits wieder neue deutsche Städte aufnehmen und das Geschäft so deutlich ausweiten. Deliveroo mit Hauptsitz in London wurde 2013 gegründet und ist nach dem Ausstieg in Deutschland noch in 13 Ländern aktiv.

In Frankreich machte das Unternehmen kürzlich mit Protesten seiner Fahrer auf sich aufmerksam. Sie riefen die Kunden vergangene Woche zu einem eintägigen Boykott auf und organisierten Veranstaltungen, um gegen ihre schlechte Bezahlung zu protestieren.