Die EU-Kommission hat die Übernahme der RWE-Tochter Innogy durch den Energiekonzern E.on genehmigt. Eine Reihe von Zusagen durch E.on stellten sicher, dass der Zusammenschluss in den betroffenen Ländern "nicht zu einer geringeren Auswahl und höheren Preisen führen wird", sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager.

E.on und RWE hatten im März 2018 Pläne für ihre Neuausrichtung auf dem deutschen Energiemarkt bekanntgegeben. Durch sie soll E.on, künftig ohne eigene Kraftwerke, in erster Linie zum Strom- und Gaslieferanten werden und RWE vor allem zum Stromproduzenten und Großhändler. Darüber hinaus erhält RWE im Zuge des Geschäfts eine Beteiligung von 16,7 Prozent an E.on. Innogy wird dabei zerschlagen: Während E.on die Netze und das Endkundengeschäft erhält, behält RWE den Bereich Erneuerbare Energien von Innogy und übernimmt diesen Unternehmensbereich auch von E.on. Mit dieser Umstrukturierung soll sichergestellt werden, dass sich die beiden bislang konkurrierenden Stromkonzerne nicht mehr gegenseitig behindern, da sie künftig auf unterschiedlichen Geschäftsfeldern operieren.

Die EU-Kommission hatte zunächst Bedenken wegen der Übernahme von Innogy geäußert. Diese betrafen unter anderem den deutschen Markt für die Lieferung von Heizstrom und Autobahnladestationen für Elektrofahrzeuge. Auch im Gas- und Stromgeschäft in Tschechien und bei Stromlieferungen an Firmen in Ungarn sahen die Brüsseler Wettbewerbshüter zunächst mögliche Probleme.

Abbau von bis zu 5.000 Arbeitsplätzen bei Innogy

Diese sind nun ausgeräumt. E.on sagte zu, seine Verträge mit den meisten Heizstromkunden in Deutschland zu verkaufen sowie den Betrieb von 34 Ladestationen für E-Fahrzeuge auf Autobahnen einzustellen. Diese werden nun von anderen Anbietern übernommen. Weiterhin versprach der Konzern, sein Geschäft im nicht regulierten Einzelhandel mit Strom auf dem tschechischen Markt ebenfalls zu verkaufen. Bei Umsetzung dieser Zusagen gebe es "keinen Anlass mehr zu wettbewerbsrechtlichen Bedenken", teilte die Kommission mit. Im Februar hatte die Behörde bereits die Übernahme von Teilen des E.on-Konzerns zur Erzeugung von Öko- und Atomstrom durch RWE genehmigt.

RWE, wegen seiner Braunkohlekraftwerke in der Kritik, wird durch den Deal mit E.on zu einem führenden Anbieter von erneuerbaren Energien, bei der Windenergie auf See nach eigenen Angaben der zweitgrößte Anbieter weltweit. Der Konzern will künftig 1,5 Milliarden Euro jährlich in erneuerbare Energien investieren. Allerdings wird der Anteil von RWE an der Ökostromerzeugung in Deutschland gering ausfallen: Von den rund 100 Gigawatt Ökostrom, die in Deutschland jährlich produziert werden, verfügt RWE nach Angaben von Vorstandschef Rolf Martin Schmitz über nur ein Gigawatt. 

Das Management von E.on möchte die Übernahme noch im September abschließen. Für Innogy bedeutet die Entscheidung der Brüsseler Behörde das Unternehmensende. Der Großteil der 40.000 Mitarbeiter wird zu E.on wechseln können, doch durch die Fusion wird der Verlust von bis zu 5.000 Arbeitsplätzen bei Innogy befürchtet. E.on will so ab 2022 zwischen 600 und 800 Millionen Euro jährlich einsparen.