Die US-Regierung hat nach Aussagen von Huawei Mitarbeiter des chinesischen Mobilfunkkonzerns zum Sammeln und Verrat von Werksgeheimnissen ermuntert. Die amerikanische Regierung soll ihre gerichtlichen und administrativen Befugnisse sowie andere Mittel eingesetzt haben, um die Geschäfte von Huawei und Partnern zu untergraben, teilte der weltweit zweitgrößte Smartphonehersteller mit. Unter anderem sollen die US-Strafverfolgungsbehörden versucht haben, sowohl aktuelle als auch ehemalige Huawei-Mitarbeiter zu ermuntern, sich gegen das Unternehmen zu wenden.

Laut eines Huawei-Dokuments, das der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt, sind acht Mitarbeiter, darunter mehrere US-Bürger, von den Vorfällen betroffen. Sie sollen alle mittlere bis hohe Führungskräfte sein. Der jüngste Vorfall soll sich am 28. August ereignet haben, als ein Mitarbeiter des US-Büros von Huawei das Unternehmen über einen Besuch der Bundespolizei FBI informierte, die die Person bat, ein Informant zu werden.

Huawei legte keine Beweise vor

Nach Angaben von Huawei habe die US-Regierung in den vergangenen Monaten "jedes zur Verfügung stehende" Mittel genutzt, um den normalen Geschäftsbetrieb zu stören. Dabei sei auch vor "skrupellosen Methoden" nicht zurückgeschreckt worden. So hätte es beispielsweise unrechtmäßige Durchsuchungen, Festsetzungen und Verhaftungen von Angestellten und Partnern gegeben. Auch Cyberangriffe zur Infiltrierung von IT-Systemen soll es angeblich gegeben haben. Darüber hinaus behauptet Huawei, FBI-Agenten hätten Mitarbeiter bei Hausbesuchen zusätzlich unter Druck gesetzt.   

Beweise für seine Anschuldigungen legte Huawei nicht vor. Der Konzern teilte lediglich mit, die Mitarbeiter hätten die Anwerbeversuche der US-Behörden gemeldet.

"Stets im Einklang mit dem Gesetz"

Aus dem Justizministerium in Washington hieß es, man äußere sich nicht zu konkreten Untersuchungen. Ein Sprecher betonte jedoch, dass die Untersuchungsmethoden stets im Einklang mit dem Gesetz stünden. Alle Parteien, die im Fokus von Ermittlungen stünden, würden in den USA zudem die gleichen verfassungsmäßigen Rechte genießen.  

Huawei ist in den USA wegen angeblicher Ausspähung von Geschäftsgeheimnissen und Verstößen gegen Sanktionen angeklagt. Die Regierung von Präsident Donald Trump hatte Huawei zudem im Mai auf eine Liste von Unternehmen gesetzt, deren Geschäftsbeziehungen in den USA strengen Kontrollen unterliegen.  Zuletzt hatte das Wall Street Journal über neue Ermittlungen gegen Huawei wegen des Verdachts auf Technologiediebstahl eingeleitet. Der Konzern wies alle Vorwürfe zurück.