Die deutschen Onlinehändler kritisieren die aus ihrer Sicht unfaire Konkurrenz aus China. Nach Angaben des Branchenverbandes entstünden deutschen Firmen allein bei Elektroartikeln Umsatzeinbußen von einer halben Milliarde Euro im Jahr. "Das ist eine massive Schädigung des deutschen Standorts und kostet Tausende Arbeitsplätze", sagte der Präsident des Verbandes für E-Commerce und Versandhandel (BEVH), Gero Furchheim.

Der Verbandschef beklagt, dass sich immer deutsche Privathaushalte Elektrogeräte direkt aus China schicken ließen. Diese Form des Handels wachse "mit großer Dynamik", sagte Furchheim. Der BEVH-Chef schätzt, "dass allein Elektrogeräte im Wert von mehr als einer Milliarde Euro im Jahr direkt aus China an private Haushalte in Deutschland geliefert werden". Der Wert aller Onlinebestellungen im Bereich Elektronik und Kommunikation aus Deutschland liegt derzeit bei 12 Milliarden Euro im Jahr. Nach Branchenschätzungen kamen im vergangenen Jahr 70 Millionen der Warensendungen aus China in Deutschland an.

Grund hierfür sind unter anderem die geringen Versandkosten aus China nach Europa. Die niedrigen Posttarife gehen auf eine Regelung des Postvereins zurück, der seit 1874 den internationalen Postverkehr regelt. Sie waren zur Unterstützung armer Länder gedacht, führen aber angesichts der Flut von Onlinebestellungen in China nun zu Verärgerung. "In Europa zahlen Händler das Zwei- bis Dreifache", sagte BEVH-Chef Furchheim.

BEVH fordert mehr Zöllner für Produktsicherheit

Um dem entgegenzuwirken, wollen die USA und andere Industrieländer die sehr geringen Gebühren für Warensendungen aus China anheben. Der Weltpostverein in Genf hat für den kommenden Dienstag  hierfür eigens einen Sonderkongress einberufen. Die USA haben mit dem Austritt aus der Weltpostorganisation gedroht, wenn die 192 Mitgliedsstaaten nicht der Gebührenerhöhung für China zustimmen.

"Auch, wenn wir die Methode Trump mit Eskalation und Alleingängen ablehnen, die Kritik ist gerechtfertigt", sagte der BEVH-Vorsitzende Furchheim. Die Gebühren müssten dringend angehoben werden. Der Deutschen Post DHL sei durch die Flut chinesischer Warensendungen schon vor drei Jahren ein Verlust von schätzungsweise 120 Millionen Euro entstanden.

Sein Verband sieht beim Wettbewerb mit chinesischen Anbietern zwei weitere Probleme: Produktsicherheit und Steuern. Deutsche Unternehmen gäben Millionenbeträge für Sicherheitstests aus. Daran sparten viele ausländische Anbieter, was zu massenhaft mangelhaften Geräten auf dem deutschen Markt führt. "Ich fordere 1.000 zusätzliche Zöllner, um der Warenflut einen Kontrolldruck entgegenzustellen", sagte Furchheim. Die rund 39.000 Zöllner sind ihm zufolge nicht genug. Der Zoll kontrolliert, ob Elektrogeräte deutschen und europäischen Sicherheitsstandards entsprechen, bevor sie in Deutschland verwendet werden dürfen.