Reisekonzern - Thomas Cook ist pleite Der älteste Reisekonzern der Welt ist insolvent. Unmittelbar betroffen sind Hunderttausende Reisende, davon viele Deutsche. Sie müssen zurückgeholt werden. © Foto: Patrick Pleul/zb/dpa

Beim britischen Touristikkonzern Thomas Cook ist der letzte Rettungsversuch gescheitert: In der Nacht gab die zivile Luftfahrtbehörde (CAA) den finanziellen Kollaps eines der ältesten und größten Reiseunternehmen der Welt bekannt. Demnach stellte Thomas Cook den Geschäftsbetrieb ein, Hunderttausende Buchungen wurden gestrichen. 

Konzernchef Peter Fankhauser sprach von einem "zutiefst traurigen Tag für das Unternehmen" und entschuldigte sich bei "unseren Millionen Kunden und Tausenden Angestellten, Zulieferern und Partnern". Noch bis Sonntagabend war mit Investoren über eine zusätzliche Finanzierung in Höhe von 200 Millionen Pfund (226 Mio. Euro) verhandelt worden. Nun aber stehen rund 22.000 Mitarbeiter, davon 9.000 im Vereinigten Königreich und 4.500 in Deutschland, vor der Arbeitslosigkeit.

Condor verspricht: Flugbetrieb geht weiter

Unmittelbar betroffen sind etwa 600.000 Touristen, darunter Zehntausende Deutsche. Viele von ihnen hatten Tickets bei dem deutschen Tochterunternehmen Condor gebucht, das 58 Cook-Flieger im Einsatz hat. Condor stellte nach eigenen Angaben auf Notgeschäftsführung um. Aus rechtlichen Gründen könne man aber Urlauber, die mit Thomas-Cook-Veranstaltern gebucht haben, nicht mehr an ihr Reiseziel bringen und damit nicht gewährleisten, dass gebuchte Reisen mit Abreisedatum 23. und 24. September stattfinden. "Wir dürfen Sie daher für Ihren Flug nicht annehmen, was uns außerordentlich leid tut", teilte Condor mit. Den Flugbetrieb hält der Ferienflieger aber aufrecht. Um Engpässe zu verhindern, beantragte das Unternehmen bei der Bundesregierung einen Überbrückungskredit, der gegenwärtig geprüft wird.

Für die betroffenen mehr als 150.000 Touristen aus Großbritannien kündigte die Flugbehörde CAA eine Rückholaktion an. Die Aktion dürfte mindestens zwei Wochen dauern. Die meisten sind durch ein staatlich betriebenes Versicherungsprogramm abgedeckt, das Urlaubern bei einem Ausfall eines in Großbritannien ansässigen Touranbieters die Heimholung aus dem Ausland garantiert.

Noch vor der offiziellen Bekanntmachung der Insolvenz versprach der britische Premierminister Boris Johnson den gestrandeten Urlaubern deshalb die Hilfe seiner Regierung. "Wir werden unser Bestes tun, um sie nach Hause zu holen", sagte er an Bord einer Regierungsmaschine auf dem Weg zur UN-Klimakonferenz in New York. "Der Staat muss auf die eine oder andere Weise eingreifen, um gestrandeten Urlaubern zu helfen."

Großbritannien startet "größte Rückholaktion in Friedenszeiten"

In London sprach Verkehrsminister Grant Shapps von Dutzenden Chartermaschinen, die man angemietet habe, um Betroffene kostenlos nach Hause zu fliegen. "Die Aufgabe ist gigantisch, die größte Heimholung in der Geschichte des Vereinigten Königreichs in Friedenszeiten", erklärte Shapps, und: "Da wird man um Probleme und Verzögerungen nicht umhinkommen." Die Rückholaktion trägt nach BBC-Angaben den Codenamen "Matterhorn". In der Nacht seien bereits die ersten Flugzeuge zu verschiedenen Zielen gestartet, um britische Urlauber nach Hause zu holen, hieß es bei CAA. Für Urlauber im Ausland wurde die Website thomascook.caa.co.uk geschaltet.

Wie schlecht es der Fluggesellschaft ging, merkten Urlauber, die bei Thomas Cook gebucht hatten, bereits in den vergangenen Monaten. So berichteten einige Touristen der BBC, dass ein Hotel in Tunesien Gäste, die bei Thomas Cook gebucht hätten, einbestellt und weitere Zahlungen verlangt hätten – aus Sorge, von der Airline nicht den ausgemachten Betrag zu erhalten. Ryan Farmer aus Leicestershire sagte, viele Urlauber hätten sich geweigert, da sie ja schon ihre Rechnungen bei Thomas Cook beglichen hätten. Das Sicherheitspersonal habe dann die Hoteltore verriegelt und "niemandem erlaubt, rauszugehen". Es habe sich wie eine "Geiselnahme" angefühlt.

Noch am Wochenende hatte Thomas Cook Kunden zu beschwichtigen versucht, die sich wegen Medienberichten über die Finanzierungsprobleme des Konzerns Sorgen um ihre Buchungen gemacht hatten. "Alle unsere Urlaube finden normal statt", schrieb das Unternehmen auf Twitter.

"Zusätzliche Forderungen unüberwindbar"

Großbritannien ist neben Deutschland der wichtigste Absatzmarkt für Thomas Cook. Das Unternehmen war 1841 gegründet worden und betreibt Hotels, Ferienresorts, Airlines und veranstaltet Kreuzfahrten. In den vergangenen Jahren machten der Firma aber die zunehmenden Dumpingpreise in der Branche sowie die anhaltende Unsicherheit rund um den Brexit zu schaffen. Nicht zuletzt durch eine Rettungsaktion britischer Banken im Jahr 2012 ist das Unternehmen in Milliardenhöhe verschuldet.

Erholt hat sich Thomas Cook seitdem nicht mehr. Im Februar bot der Vorstand dann seine Fluggesellschaften samt Condor zum Verkauf an. Im Juli sagte Konzernchef Fankhauser dann nicht nur die Vorlage der Quartalszahlen, sondern auch diese Offerte wieder ab. Er präsentierte stattdessen einen umfangreichen Rettungsplan mit Investoren – der nun scheiterte. Fankhauser sprach von "zusätzlichen Forderungen" in den letzten Tagen der Verhandlungen, die sich als "unüberwindbare Herausforderung" erwiesen hätten.

Zuvor hatte die Gewerkschaft Transport Salaried Staffs' Association einen Brandbrief an Wirtschaftsministerin Andrea Leadsom gesandt und darin eine "echte finanzielle Unterstützung" gefordert. "Das Unternehmen muss gerettet werden, wie auch immer", schrieb der Generalsekretär der Gewerkschaft, Manuel Cortes. Keine britische Regierung könne den Verlust "so vieler Arbeitsplätze und die Aussicht zulassen, dass nur noch ein großer Reiseanbieter – TUI – den Massenmarkt kontrolliert".