Nach der Insolvenz des britischen Reiseveranstalters Thomas Cook prüft die Bundesregierung den Antrag der deutschen Tochter Condor auf einen Überbrückungskredit. Noch sei hier keine Entscheidung getroffen, sagte ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums. Die Regierung arbeite aber "mit Hochdruck" daran.

Condor hat den Kredit an diesem Montagmorgen beantragt. Zur Höhe könne er keine Angaben machen, sagte der Ministeriumssprecher. Die Deutsche Presse-Agentur berichtete unter Berufung auf Regierungskreise, Condor benötige rund 200 Millionen Euro.

Der britische Reisekonzern Thomas Cook hatte in der Nacht zum Montag Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen stellte mit sofortiger Wirkung den Betrieb ein und stoppte den Verkauf von Reisen. Die Insolvenz trifft rund 600.000 Menschen mitten im Urlaub – unter ihnen 140.000 Deutsche. Am Montag und Dienstag wollten 21.000 Menschen in ihren Urlaub abreisen.

Hessen bietet Condor Unterstützung an

Condor kündigte an, den Betrieb zunächst aufrechtzuerhalten. Die Fluggesellschaft transportiert nicht nur Kunden von Thomas Cook, sondern auch von anderen Reiseveranstaltern. Kundinnen und Kunden des Reiseveranstalters Thomas Cook, die ab heute in Urlaub fliegen wollten, könne Condor jedoch nicht mehr annehmen, hieß es. Rückflüge seien jedoch nicht betroffen.

Die hessische Landesregierung stellte Condor finanzielle Hilfe in Aussicht. "Grundsätzlich sind wir offen, Condor bei der Überbrückung der aktuellen Krise zusammen mit dem Bund behilflich zu sein, etwa durch eine ergänzende Landesbürgschaft", teilte die schwarz-grüne Landesregierung mit. Es werde nun geprüft, ob die Voraussetzungen dafür gegeben seien. Condor fliegt nach eigenen Angaben mit 58 Maschinen und beschäftigt etwa 4.900 Menschen.

Die deutschen Flughäfen setzen auf staatliche Unterstützung für Condor. Damit hätte der Ferienflieger eine Chance zum langfristigen Weiterbetrieb, hieß es in einer Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV). Viele Passagiere an den größeren Flughafenstandorten seien betroffen.

Auch Gewerkschaften fordern Staatshilfen

Die FDP warnte die Bundesregierung, nach "Gutsherrenart" allein über einen möglichen Überbrückungskredit für die deutsche Thomas-Cook-Tochter zu entscheiden. FDP-Fraktionsvize Michael Theurer wies darauf hin, dass für eine mögliche Rettung von Condor der Parlamentsvorbehalt gelten müsse. "Nach aktuellem Stand bin ich vorsichtig optimistisch, dass Condor als Unternehmen weiter überlebt, da es bisher schwarze Zahlen schreibt", sagte er. Einen Überbrückungskredit halte er daher für vertretbar.

Auch die Gewerkschaften forderten Staatshilfen. Condor sei "seit Langem eine profitable Airline", teilte die Pilotengewerkschaft Cockpit mit. Nun müsse "alles getan werden, um die Arbeitsplätze bei Condor zu sichern". Ähnlich argumentierte die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (Ufo): Condor habe "regelmäßig" Gewinne eingebracht. Die Bundesregierung müsse Condor mit einem Überbrückungskredit retten, forderte Ufo. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di teilte mit, Condor sei eine "wichtige und gute Marke im Luftverkehrsmarkt" mit außerordentlich engagierten Beschäftigten. Die Politik müsse nun "in die Verantwortung für das Unternehmen und die Beschäftigten gehen".

Nach der Insolvenz der Fluggesellschaft Air Berlin im Sommer 2017 hat die Bundesregierung dem Unternehmen einen umstrittenen Überbrückungskredit gewährt, um den Flugbetrieb zunächst noch aufrechtzuerhalten. Damals saßen zahlreiche Air-Berlin-Kunden an Flughäfen außerhalb Deutschlands fest. Inzwischen hat die Fluggesellschaft die letzte Rate des Kredits zurückgezahlt.