Die Rettungsversuche sind gescheitert, Hunderttausende Urlauber müssen zurückgeholt werden: Mit Thomas Cook ist eines der ältesten und größten Reiseunternehmen der Welt insolvent. Das Unternehmen sagt Reisen, die am 23. und 24. September beginnen, ab. Für Reisen, die danach anfangen, gibt es noch keine Informationen.

Auf Facebook äußern sich Reisende besorgt, nicht mehr nach Hause zu kommen. "Das Chaos ist hier ziemlich groß", schreibt eine Nutzerin aus dem Pauschalurlaub in Tunesien. Ihr Hotel habe sie plötzlich aufgefordert, ihre Hotelrechnung zu bezahlen, da von der Thomas-Cook-Tochter Neckermann noch keine Zahlung eingegangen sei. Ein anderer Nutzer beschwert sich auf Instagram über einen ausgefallen Urlaub: "Wir haben uns so auf unseren Urlaub gefreut, und jetzt das."

Was müssen Reisende jetzt wissen und bekommen sie bei einem ausgefallenen Urlaub ihr Geld zurück? Wir klären die wichtigsten Fragen zur Insolvenz des Reiseveranstalters Thomas Cook.

Wie viele Urlauber sind betroffen?

Unmittelbar betroffen von der Insolvenz des Reiseveranstalters sind etwa 600.000 Touristinnen und Touristen. Allein 150.000 Urlauber kommen aus Großbritannien. Mit dem deutschen Reiseveranstalter von Thomas Cook sind nach Unternehmensangaben derzeit 140.000 Gäste unterwegs. Am diesem Montag und Dienstag sollten 21.000 Menschen abreisen.

Rund 50.000 Reisende halten sich aktuell in Griechenland auf. Sie machten Urlaub auf griechischen Inseln wie Zakynthos, Kos, Korfu, Skiathos und Kreta, wie das griechische Tourismusministerium mitteilte. Das Auswärtige Amt sagte im Ausland gestrandeten deutschen Urlaubern Unterstützung zu. Ein Sprecher meinte, in diesem Fall stünde das weltweite Netz von deutschen Auslandsvertretungen bereit, Urlauberinnen und Urlauber zu betreuen.

Großbritannien startet für die betroffenen Urlauberinnen und Urlauber die größte Rückholaktion in der Geschichte des Landes, wie die Flugbehörde CAA ankündigte. Die Aktion dürfte mindestens zwei Wochen dauern und trägt laut einem BBC-Bericht den Codenamen Matterhorn. Die meisten britischen Urlauberinnen und Urlauber sind durch ein staatlich betriebenes Versicherungsprogramm abgedeckt. Es garantiert, dass sie aus dem Ausland zurückgeholt werden, wenn ein in Großbritannien ansässiger Reiseanbieter ausfällt.

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Bekommen Reisende ihr Geld zurück?

Klar ist, dass Kunden, die eine Reise gebucht haben, die am 23. oder 24. September beginnt, sich gar nicht mehr auf den Weg zum Flughafen machen brauchen. An diesen beiden Tagen hat Thomas Cook alle geplanten Reisen abgesagt. Ob Urlauber ab dem 25. September wieder wegfahren können, ist unklar. Eine Sprecherin von Thomas Cook sagte ZEIT ONLINE lediglich, der Kundenservice setze sich mit den Betroffenen in Verbindung.

Wie folgenschwer die Insolvenz für Kunden wird, hängt vor allem davon ab, ob sie bei Thomas Cook eine Pauschalreise oder nur etwa einen Flug gebucht haben. Bei Pauschalreisen, die neben dem Flug auch Hotel und Verpflegung enthalten, greift eine sogenannte Insolvenzversicherung, die Reiseanbieter laut EU-Recht abschließen müssen, damit Kunden im Ernstfall abgesichert sind. Bei einer Firmenpleite wird ihnen in der Regel der volle Reisepreis erstattet. Auf einem sogenannten Insolvenzsicherungsschein, den Kunden bei der Buchung erhalten haben, ist vermerkt, wie sie die Erstattung von Reisekosten beantragen können.

Reisende, die nur einen Flug gebucht haben, sind hingegen nicht abgesichert: "Es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich selbst einen Rücktransport zu organisieren und zu finanzieren", sagt Simone Meisel von der Verbraucherzentrale in Sachsen-Anhalt ZEIT ONLINE. Die Kosten, die ihnen dadurch entstehen, könnten Kunden aber in einem Insolvenzverfahren gegen Thomas Cook geltend machen – genau wie den Preis für die entfallene Flugreise. Oft gingen Kunden jedoch leer aus, wie die Verbraucherschützerin Meisel berichtet.

Reiserücktrittsversicherungen greifen bei einer Insolvenz nicht. Denn sie versichern Ausfälle des Reisenden selbst: Kann er zum Beispiel wegen Krankheit die geplante Reise nicht antreten, erhält der Kunde sein Geld gemäß den Vertragsbedingungen zurück. Weil eine Insolvenz im Gegensatz dazu von der Firma ausgeht, nützt eine Reiserücktrittsversicherung den Kunden von Thomas Cook nichts.

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Was bedeutet die Pleite für Condor- und Neckermann-Reisende?

Die Pleite des Reisveranstalters trifft auch Kunden der Tochterunternehmen. Marken wie Neckermann Reisen, Bucher Last Minute, Öger Tours, Air Marin und Thomas Cook Signature haben den Verkauf von Reisen nach eigenen Angaben komplett gestoppt. Condor teilte mit, der Flugbetrieb werde zwar aufrechterhalten. Urlauberinnen und Urlauber, die bei der Gruppe Thomas Cook gebucht haben, dürfe der Ferienflieger aber nicht an sein Reiseziel bringen. Reisende auf dem Rückweg sind nicht betroffen. Sie werden von Condor befördert und dürfen planmäßig nach Hause fliegen.

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Warum ist Thomas Cook insolvent?

Der Reiseanbieter litt in den vergangenen Jahren unter anderem unter immer niedrigeren Preisen in der Branche. Seit einer Rettungsaktion britischer Banken im Jahr 2012 ist das Unternehmen in Milliardenhöhe verschuldet. Erholt hat sich Thomas Cook seitdem nicht mehr. Im Februar bot der Vorstand dann seine Fluggesellschaften samt Condor zum Verkauf an. Im Juli sagte Konzernchef Peter Fankhauser dieses Angebot dann wieder ab und präsentierte stattdessen einen umfangreichen Rettungsplan mit Investoren – der nun scheiterte. Fankhauser sprach von "zusätzlichen Forderungen" in den letzten Tagen der Verhandlungen, die sich als "unüberwindbare Herausforderung" erwiesen hätten. Die Luftfahrtbehörde CAA wirft dem Unternehmen vor, die Modernisierung der Branche verschlafen zu haben. Aber auch der "unglaubliche" Wettbewerb im Markt spiele eine Rolle, wie CAA-Chefin Deirdre Hutton dem Sender BBC sagte.

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Spielt der Brexit eine Rolle?

Wie viele britische Unternehmen ist auch Thomas Cook von der zunehmenden Unsicherheit durch den bevorstehenden Brexit betroffen. Wirtschaftsvertreter rechnen vor allem im Fall eines ungeregelten Brexits mit verheerenden Folgen. Unter Premierminister Boris Johnson ist die Wahrscheinlichkeit eines sogenannten No Deals zuletzt gestiegen. Die Unsicherheit wirkt sich unter anderem auf den Währungskurs aus, das britische Pfund schwächelt. Für Thomas Cook bedeutet das: Fernreisen werden für britische Urlauberinnen und Urlauber weniger attraktiv, da sie sich im Ausland weniger leisten können.

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Was bedeutet die Pleite für die Beschäftigten?

Thomas Cook beschäftigt weltweit rund 21.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 9.000 in Großbritannien und 4.500 in Deutschland. Die britische Transportgewerkschaft TSSA macht die Regierung dafür verantwortlich, dass viele nun vor der Arbeitslosigkeit stehen. "Dass sie (die Regierung) unsere Mitglieder lieber hängen lassen als Thomas Cook zu retten, ist beschämend und falsch", sagte Gewerkschaftschef Manuel Cortes. Die britische Regierung hat dem Reiseveranstalter staatliche Hilfen verwehrt. Das Unternehmen habe grundlegende Probleme in Zeiten, in denen immer mehr Menschen ihre Reisen online buchen, hieß es.

Unklar ist, wie es bei dem Tochterunternehmen Condor weitergeht. Dort sind etwa 4.500 der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Thomas Cook beschäftigt. Der Ferienflieger befördert aber nicht nur Kunden von Thomas Cook, sondern auch anderer Reiseveranstalter, die individuell gebucht haben. Das Unternehmen hat bei der Bundesregierung einen Überbrückungskredit beantragt, um Liquiditätsengpässen vorzubeugen, wie Condor mitteilte. Die Bundesregierung prüft den Antrag. Wie viel Geld Condor braucht, ist nicht bekannt. Die Gewerkschaft ver.di forderte, es müsse "alles getan werden, um Condor zu erhalten und die Arbeitsplätze zu sichern". Condor sei eine wichtige Marke, die Fluggesellschaft sei nach wie vor profitabel.

Mit Material von dpa, Reuters, AFP

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