Immer mehr Kläger gehen in den USA gegen den Pharma- und Chemiekonzern Bayer vor. Grund ist die angeblich krebserregende Wirkung des Unkrautvernichters Glyphosat. Bis zum 11. Oktober wurden dem Unternehmen etwa 42.700 Klagen zugestellt, wie Bayer mitteilte. Das sind mehr als doppelt so viel wie die 18.400 von Mitte Juni.

Bayer will sich in den Berufungsverfahren gegen drei erstinstanzliche Urteile und in allen weiteren zukünftigen Verfahren "entschieden zur Wehr setzen", die nächsten Verhandlungen stehen allerdings erst im Januar an. Die Zahl der Klagen sage "nichts über deren Begründetheit aus", hieß es von dem Konzern. Bayer ist überzeugt, gute Argumente zur Verteidigung zu haben. Der Leiter des Agrargeschäfts, Vorstandsmitglied Liam Condon, hatte sich vor Kurzem zuversichtlich gezeigt, den Streit um den Unkrautvernichter "früher oder später" beizulegen.

Die Zahl der Verfahren steigt seit August 2018. Bayer hat mittlerweile drei Prozesse in den USA verloren. In erster Instanz wurden hohe Strafen gegen den Konzern verhängt, die Schadenersatzzahlungen wurden wie die Strafen später jeweils deutlich gesenkt. Die Anwälte von Klägern warben danach um weitere Mandanten. Der Druck auf Bayer, sich in einem Vergleich mit der Gegenseite zu einigen, dürfte damit steigen. 

Die letzten drei angesetzten Glyphosat-Prozesse in den USA waren zuletzt allesamt verschoben worden. Mediator Ken Feinberg versucht, eine außergerichtliche Einigung zwischen Bayer und US-Klägern zu erreichen. In den Mediationsprozess will sich Bayer "konstruktiv" einbringen, wie das Unternehmen bekräftigte.   

Die Klagewelle hatte sich Bayer mit der Übernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto ins Haus geholt, der Glyphosat entwickelt hat. Mit dem Zukauf wurde das Agrargeschäft deutlich ausgebaut und Bayer zum weltweit größten Anbieter von Saatgut und Pflanzenschutzmitteln.