HBS kümmert sich um die ausländischen Mitarbeiter: zum Beispiel um Deutschkurse und ein Wohnheim für die Azubis. © Nora Klein für ZEIT ONLINE

Das sieht nicht jeder so. Fragt man Benai, den marokkanischen Azubi, nach seiner Arbeit, sagt er, alles sei super. Nur das Deutschland außerhalb der Firma sei anders, als er sich das vorgestellt hat. "In Marokko dachte ich: Alle Deutschen sind nett", sagt Benai. "Hier habe ich gelernt: Auch in Deutschland gibt es schlechte Menschen."

Dann erzählt er von einem Samstagabend, ein paar Wochen ist es her. Benai war mit sieben anderen ausländischen Azubis im Stadtzentrum unterwegs. Sie stießen auf eine Gruppe junger Deutscher, etwa zwölf Mann, einige hatten Hunde dabei. "Haut ab!", hätten sie ihn und seine Freunde angebrüllt. In dem Moment habe er Angst gehabt, sagt er. Einfach nur Angst.

HBS-Gesellschafter Drews erinnert sich, dass es 2011, als man als erstes Unternehmen der Region Ausländer nach Schleiz holte, Widerstände gegeben habe – auch innerhalb der Firma. "Wenn dir aber immer mehr Kunden abspringen, weil du nicht genügend Mitarbeiter hast, wird dir klar: Du hast keine Wahl." Wenn es nicht läuft, müsse man ab einem gewissen Punkt, sagt Drews, Leute aus der Verwaltung entlassen. Das habe bei den Kollegen gewirkt.

Das Unternehmen bemüht sich sehr um seine ausländischen Mitarbeiter, es bietet Deutschkurse an und hat ein eigenes Wohnheim für Azubis. Für dieses Engagement wurde die HBS 2013 vom Bundeswirtschaftsministerium ausgezeichnet. Nur: Was nützt es, wenn sich eine Firma redlich um Integration bemüht – das Umfeld aber nicht mitspielt?

Von den Erfahrungen Westdeutschlands lernen

Fröhlich macht noch einen letzten Gang durch das Gebäude und raucht draußen eine Zigarette mit dem Ausbildungsleiter des Unternehmens. Fröhlich sagt, Berührungsängste Fremden gegenüber seien im Osten Deutschlands größer als im Westen. Dort hatte es Gastarbeiter gegeben, man stand zusammen am Fließband, lernte sich kennen. Nur so, findet er, baue man Vorurteile ab. Den meisten Menschen im Osten fehle diese Erfahrung eben. Der Ausländeranteil der Beschäftigten in Thüringen liegt laut der Arbeitsagentur bei 5,2 Prozent – der Bundesdurchschnitt bei 11,9. "Viele hier", sagt Fröhlich, "wissen es schlicht nicht besser."

Wird sich das ändern – wegen des Fachkräftemangels und auch seiner Arbeit? Ja, sagt Fröhlich, "aber dazu braucht es Zeit und Spucke". Von Integrationsprojekten, interkulturellen Meetings und Kennenlernkursen hält er allerdings nichts. "Steuerfinanzierte Träumerprojekte" nennt er das. Die Neuen müssten unter Anleitung ins kalte Wasser geworfen werden und direkt mit den Deutschen zusammenarbeiten. "Für rein theoretische Ausführungen", sagt Fröhlich, "ist in der freien Wirtschaft einfach keine Zeit."

Sich gegenseitig eine Chance geben

Er allein hole pro Jahr 40 Fachkräfte ins Land, sagt Fröhlich. Trotz aller Widerstände. Ob er mit seiner pragmatisch-unkonventionellen Art erfolgreicher ist als die Konkurrenz in der Branche, ist schwer zu sagen, konkrete Vergleichszahlen fehlen. Was treibt ihn neben dem Geschäftlichen eigentlich an?

Es sind Menschen wie Alina Gidioi. Gidioi hat ihre Ausbildung bei der HBS schon absolviert und arbeitet inzwischen dort als Konstrukteurin. Auch sie sei erst mal skeptisch empfangen worden, sagt die 30-jährige Rumänin. Inzwischen fühle sie sich aber angenommen, in der Firma und auch im Ort. Weil sie gut Deutsch spricht; vielleicht aber auch, weil man ihr die Herkunft eben nicht sofort ansieht. Die Menschen hier, sagt sie, hätten ihr eine Chance gegeben.

Fröhlich sieht das auch umgekehrt. Für seine Heimat Thüringen seien die Neuen die Chance, vielleicht sogar die letzte. Ohne sie wäre die heimische Wirtschaft aufgeschmissen. Ob die Eingesessenen das nun einsehen – oder eben nicht.