Es ist nicht zu übersehen: Die Galeries Lafayette gehören jetzt zu den Guten. Oder warum sonst lädt das Pariser Luxuskaufhaus in seinen Schaufenstern großflächig zum "rendez-vous au Good Spot" in der dritten Etage? Dort sollen, so steht es auf die Glasscheiben geschrieben, die Kunden allerlei umweltfreundliche Waren entdecken und auch solche aus lokaler, also französischer Produktion. Bis zum 13. Oktober ist außerdem jede und jeder aufgerufen, auf Instagram Fotos von Kleidungsstücken zu platzieren, die im eigenen Kleiderschrank ganz hinten hängen, aber in einer anderen Garderobe einen zweiten Frühling erleben könnten. Der Aufruf "Changeons de mode" ist in der französischen Sprache gewollt doppeldeutig: Ändern wir die Mode, aber auch: Ändern wir die Art und Weise, wie wir mit Mode umgehen.

Nun zählt das Kaufhaus auf dem Pariser Boulevard Haussmann unter der viel bewunderten Glaskuppel rund 70.000 Quadratmeter Verkaufsfläche auf sieben Etagen. Die wären ganz schnell gespenstisch leer, würden all die Produkte, die in asiatischen Sweatshops gefertigt und bei deren Herstellung überbordende Ressourcen vergeudet werden, aussortiert. Mit einem Verbrauch von weltweit rund 80 Milliarden Kubikmetern Wasser pro Jahr gehört die Textilindustrie jedes Jahr zu den größten Ressourcenräubern. Allein durch Herstellung, Warentransport und den Gebrauch – Waschen, Trocknen und Bügeln – von Kleidung werden laut Greenpeace jährlich zudem 1,2 Milliarden Tonnen CO2-Emissionen verursacht. Angesichts der weltweit erstarkenden Umweltbewegung wird es aber immer schwieriger, dies zu rechtfertigen. Und so zeigt sich ausgerechnet in der Modemetropole Paris dieser Tage, wie bisherige Nichtschwimmer krampfhaft versuchen, bei dem heiklen Thema Oberwasser zu behalten.

Umweltpolitisch korrekt mit Greta-Zöpfen und Bäumen samt Wurzel

Wer in den vergangenen Tagen die für Prêt-à-porter-Mode so inspirierenden De­fi­lees der Pariser Fashion Week beobachtete, fühlte sich gelegentlich weniger von den gewagten Kreationen der Designer in den Bann gezogen als von deren umweltpolitischen Accessoires. Passend dazu kündigte der Modekonzern Kering gleich zum Start an, dass die gesamte Unternehmensgruppe mit Marken wie Gucci oder Yves Saint Laurent ihre eigenen Aktivitäten sowie die komplette Lieferkette ab sofort der Klimaneutralität verpflichte. "Wenn es um den Klimawandel geht, können wir nicht warten, konkrete Maßnahmen zu ergreifen", sagte Konzernchef François-Henri Pinault. "Wir alle müssen uns als Unternehmen weiterentwickeln und die Emissionen von Treibhausgas berücksichtigen, die wir insgesamt verursachen."

Wenig später schickte die zum konkurrierenden LVMH-Imperium gehörende Marke Dior Models auf den Laufsteg, die mit ihren geflochtenen Zöpfen die modische Inkarnation der Umweltaktivistin Greta Thunberg darstellten. Dass LVMH-Chef Bernard Arnault Thunbergs Rede bei der UN-Klimakonferenz kurz davor noch als "demoralisierend" bewertet hatte, kam wohl zu spät für die Regie. Außerdem hatte Dior die Schau seiner Kreationen für das kommende Frühjahr mit 164 Bäumen dekoriert, die umweltpolitisch korrekt samt Wurzel in Blumentöpfen ihrer Auspflanzung in Pariser Grünanlagen entgegensehen dürfen. Das zeugte immerhin von Lernfähigkeit. Im vergangenen Frühling war noch ein Shitstorm über Chanel hereingebrochen: Die Marke hatte für die Deko der damaligen Schau kurzerhand Bäume einfach absägen lassen.

Bei der französischen Designerin Marine Serre war ein paar Tage später die Katastrophe allerdings nicht mehr aufzuhalten. Zwar besteht die Hälfte der Kollektion Serres inzwischen umweltpolitisch korrekt aus Upcycling-Materialien. Doch gab die Designerin ihr den Titel Marée Noire – Ölteppich. Und ließ den Laufsteg mit schwarzem PVC auslegen. Wie, bitte, passt das zusammen?