Die Verbraucherorganisation Foodwatch fordert nach zwei Todesfällen durch keimbelastete Wurst die Behörden auf, Verbraucher umfangreich über die betroffenen Produkte aus der Herstellung des nordhessischen Betriebs zu informieren. Das Krisenmanagement des Landkreises und des Regierungspräsidiums als zuständige Stellen sei katastrophal, sagte ein Sprecher am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Die Verantwortlichen seien völlig überfordert mit der Situation. Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) müsse den Fall an sich ziehen.

Laut Behörden gibt es mittlerweile 37 Krankheitsfälle, die möglicherweise mit Wurstwaren der Firma Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH in Twistetal-Berndorf im Zusammenhang stehen. In Südhessen waren zwei ältere Personen gestorben, das Robert-Koch-Institut (RKI) untersuchte die Fälle. Die Produktion wurde gestoppt und der Rückruf aller Produkte weltweit angeordnet. Das Unternehmen hat die Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens beantragt.

Wegen des Feiertags diese Woche kam es zu Verzögerungen bei der Information über den Produktrückruf. In Köln hat die Stadt erst am Freitag alle betroffenen Großhändler erreicht – drei Tage nach der Schließung des nordhessischen Betriebs. Der Ablauf sei durch den Feiertag erschwert gewesen, sagte ein Stadtsprecher.
Das Kölner Verbraucherschutzamt sei am Donnerstag von der zuständigen NRW-Landesbehörde informiert worden, dass neun Kölner Großhändler mit Wurstwaren der Firma beliefert worden seien, sagte der Stadtsprecher.

Nach Angaben des Landkreises Waldeck-Frankenberg hat die Firma Wilke mittlerweile der Schnellwarnstelle beim Regierungspräsidium Darmstadt eine Liste der belieferten Betriebe zur Verfügung gestellt. Die Schnellwarnstelle habe diese europaweit an alle Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsbehörden verteilt, heißt es auf der Website des Landkreises. Weitere Details zu der Liste gab es nicht.

Listerien sind in der Natur häufig vorkommende Bakterien. Nur sehr wenige Menschen, die Listerien aufnehmen, erkranken an der sogenannten Listeriose. Bei gesunden Erwachsenen verläuft die Infektionskrankheit meist unauffällig oder nimmt einen harmlosen Verlauf mit grippeähnlichen Symptomen. Gefährlich ist die Infektion für abwehrgeschwächte Personen: Neugeborene, alte Menschen, Patienten mit chronischen Erkrankungen, Transplantierte und Schwangere. Bei ihnen und bei Ungeborenen kann Listeriose zum Tod führen.