Elon Musk - Tesla will Autofabrik bei Berlin bauen Tesla-Firmenchef Elon Musk plant den Bau einer Großfabrik in der Nähe des neuen Hauptstadtflughafens BER. Vorgesehen ist auch ein Ingenieurs- und Designzentrum in Berlin. © Foto: Guus Schoonewille, Philip Pacheco/​AFP/​Getty Images

Der US-Elektroautohersteller Tesla plant die Errichtung seiner neuen Großfabrik im Umland von Berlin. Das kündigte Unternehmenschef Elon Musk bei einer Preisverleihung in Berlin an. Demnach soll die sogenannte Gigafactory 4 in der Nähe des neuen Hauptstadtflughafens BER entstehen und ab 2021 die Produktion aufnehmen. Zudem sei in Berlin ein Ingenieur- und Designzentrum geplant.

Musk begründete die Standortwahl unter anderem mit der außergewöhnlichen Qualität deutscher Ingenieure. Auf Twitter gab er dann weitere Details zur neuen Fabrik bekannt. So sollen dort unter anderem Batterien für die Elektroautos sowie auch ganze Fahrzeuge gebaut werden – "angefangen mit dem Modell Y", dem künftigen Kompakt-SUV von Tesla.

"Hervorragende Nachricht für unser Land"

Nach Informationen des Tagesspiegel soll die Gigafactory 4 auf einer Industriefläche im brandenburgischen Grünheide südöstlich von Berlin entstehen. Diese sei bereits einmal für die Ansiedlung eines BMW-Werkes im Gespräch gewesen. Laut der Zeitung wurde das Projekt schon seit Monaten im Brandenburger Wirtschaftsministerium unter Geheimhaltung vorbereitet. Während des Besuchs von Musk in Berlin sollen er und Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) eine erste Vereinbarung unterzeichnet haben.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sprach von einer "hervorragenden Nachricht für unser Land". Brandenburg habe sich bereits "seit Längerem in intensiven Gesprächen" dafür eingesetzt, den Zuschlag für den Standort zu erhalten, so Woidke. "Die Giga-Fabrik wird Brandenburg als innovativen und internationalen Standort einen weiteren Schub und sehr vielen Menschen gute Arbeit geben." Nach Informationen des Tagesspiegels und der Bild-Zeitung sollen rund 10.000 neue Arbeitsplätze entstehen.

Tesla gilt als Vorreiter bei der Elektromobilität und besitzt Schätzungen zufolge einen Anteil von 30 Prozent am europäischen Markt für Elektroautos. Die Gigafactory in Berlin wird das vierte derartige Werk des Unternehmens nach denen im US-Bundesstaat Nevada, in New York und in Shanghai sein. In Europa montierte Tesla bislang in den Niederlanden einige Fahrzeuge der teureren Modellreihen S und X.

Eine Fabrik so groß wie jene in Shanghai

Nach Tagesspiegel-Angaben soll die Fabrik in Grünheide ähnliche Dimensionen wie die in Shanghai erreichen. Für die Fabrik in der chinesischen Metropole hatte Tesla erst im vergangenen Monat den Start der Produktion auf Versuchsbasis bekannt gegeben. Das dortige Werk wurde nach Unternehmensangaben in nur zehn Monaten gebaut und soll einmal eine jährliche Kapazität von 500.000 Autos erreichen.

Die Ansiedlung der Fabrik in Deutschland hat auch symbolische Kraft, wagt sich Tesla doch ins Heimatland der deutschen Premiumautohersteller, die oft um dieselben Käuferschichten kämpfen. So wurde das Model 3 als Alternative der BMW-3er-Reihe platziert. "Für den Autostandort Deutschland ist Musks Ankündigung eine gute Nachricht", kommentierte der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. "Mit der Entscheidung von Elon Musk für Deutschland werden wir gestärkt und die Elektromobilität nimmt mehr Fahrt auf als bei 100 Kanzlergipfeln in Berlin." Zugleich zweifelte Dudenhöffer an, ob die Produktion schon 2021 beginnt – Tesla müsse mit den Finanzen haushalten, und China habe für Musk Vorrang.

Tatsächlich stieg Tesla im vergangenen Monat – mit einem Börsenwert von 53 Milliarden Dollar – zum wertvollsten amerikanischen Autobauer auf. Es überholte damit das Traditionsunternehmen General Motors (GM), das damals auf 51 Milliarden Dollar kam. Ende Oktober überraschte der Autohersteller dann die Experten, als er einen Quartalsgewinn von 143 Millionen Dollar bekannt gab. Beobachter hatten mit einem Verlust gerechnet, kämpfte Tesla zuletzt doch vor allem mit massiven Geldproblemen sowie teuren und verzögerten Produktionsanläufen bei seinen neuen Modellen.