Die Lufthansa hat in der Tarifauseinandersetzung mit der Gewerkschaft Ufo dementiert, dass sie Verhandlungen über ein Schlichtungsverfahren am Vorabend "ohne Ergebnis vorzeitig abgebrochen" habe. Die Flugbegleitergewerkschaft hatte sich zuvor irritiert über das Lufthansa-Angebot einer sogenannten umfassenden Schlichtung auch ohne allgemeine Friedenspflicht gezeigt. Weitere Streiks kündigte die Gewerkschaft vorerst aber nicht an.

Ein Konzernsprecher teilte mit, dass das Unternehmen neben der laufenden tariflichen Schlichtung, bei der es um die wesentlichen Ufo-Forderungen für das Kabinenpersonal geht, auch für eine große Schlichtung zur Verfügung stünde. Man habe der Gewerkschaft daher angeboten, einen solchen Prozess anzugehen auch ohne eine verbindliche Friedenspflicht bei den Tochter-Airlines Eurowings, Germanwings und Cityline.

Ufo hatte zuvor mitgeteilt, dass Lufthansa die Verhandlungen der vergangenen drei Tage bereits am Mittwochabend vorzeitig beendet habe. Vom Angebot erfuhr die Gewerkschaft nach eigenen Angaben erst an diesem Donnerstag aus den Medien – das sei aber kein fairer Umgang mit Verhandlungspartnern, sondern einseitige Entscheidungen.

"Sich abends ergebnislos trennen und morgens zuerst eine Kommunikation schalten, sind die alten Spielchenmuster, die keine Sicherheit und Verlässlichkeit schaffen", sagte Ufo-Vizechef Daniel Flohr. Zugleich machte der Gewerkschafter deutlich, dass das Angebot eine Lösung sein könne, es aber keine Rechtssicherheit biete. Die Ufo-Vertreter kritisierten außerdem, sie hätten während der Verhandlungen der vergangenen Tage insgesamt nur 20 Minuten lang mit Vertretern der Fluggesellschaft persönlich sprechen können.

"Das ist einfach falsch", entgegnete der Lufthansa-Sprecher. Nach seinen Angaben habe es stundenlange Gespräche gegeben.

Beide Seiten sind weiterhin gesprächsbereit

Trotz der widersprüchlichen Aussagen betonten beide Seiten ihre grundsätzliche Bereitschaft zur Lösung des Konflikts. "Wir werden nun Vorbereitungen für die kleine Schlichtung und weitere Arbeitskämpfe forcieren, bieten Lufthansa jedoch an, die beiden benannten Schlichter zur Hilfe zu holen", sagte Flohr. Die Gewerkschaft sicherte dem Unternehmen demnach auch noch mal einen Streikverzicht für die Dauer von Gesprächen zu.

Ufo und die Geschäftsführung von Europas größter Airline sind tief zerstritten. Unter Moderation des ehemaligen Chefs der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, sowie des Ex-SPD-Vorsitzenden Matthias Platzeck soll zumindest der Tarifstreit geschlichtet werden.

Dabei geht es nur um die wenigen Themen, für die Ufo ihre Mitglieder zum Streik aufgerufen hatte. Es handelt sich hier um Spesen und Zulagen sowie eine Regelung für Saisonkräfte, damit diese einfach in reguläre Angestelltenverhältnisse wechseln können. Für eine "große Schlichtung" gäbe es noch eine Vielzahl weiterer Themen. Einen zusätzlichen Moderationsprozess könnte es für die Tochterfirmen mit deutschem Tarifrecht geben.

In dem Konflikt zwischen Fluggesellschaft und Gewerkschaft hat es bereits einen Warnstreik bei vier Lufthansa-Töchtern sowie einen zweitägigen Streik bei der Kerngesellschaft Lufthansa gegeben. Hier waren vor etwa drei Wochen 1.500 Flüge mit 200.000 betroffenen Passagieren ausgefallen.