Die in der vergangenen Woche vereinbarte umfassende Schlichtung für die Flugbegleiter der Lufthansa ist in letzter Minute geplatzt. Lufthansa zog seine Zustimmung zurück, weil sich zuvor die Gewerkschaft UFO nicht eindeutig und unbefristet zu einem Streikverzicht auch bei vier Lufthansa-Töchtern bereit erklärt habe. Ein UFO-Sprecher sprach von "Erpressung" durch die Lufthansa, die "ohne weitere Gegenleistung" einen kompletten Streikverzicht auch bei den vier Lufthansa-Töchtern gefordert hätte.

Nach Angaben eines Lufthansa-Sprechers hält das Unternehmen aber weiterhin an der einseitig ausgelösten sogenannten "kleinen Schlichtung" fest, die sich ausschließlich um die wenigen Tarifthemen drehen soll, für die die UFO vor zwei Wochen einen zweitägigen Streik veranstaltet hatte. Dazu gehörten mehr Spesen und Zulagen für die Flugbegleiter sowie Wechselmöglichkeiten für Saisonkräfte in reguläre Arbeitsverhältnisse.  

Am vergangenen Dienstag hatten beide Seiten dann eine umfassende Schlichtung zu weitaus mehr Themen sowie eine darüber hinausgehende Moderation bei der Lufthansa-Kerngesellschaft vereinbart. Die Tarifstreitigkeiten zwischen der Gewerkschaft und den Lufthansa-Töchtern Eurowings, Germanwings, SunExpress und CityLine betraf das Abkommen nicht. Die vereinbarte Friedenspflicht sollte nun aber auch auf die Konzerntöchter ausgedehnt werden.

Arbeitskampf - "Sieben Tage geben wir der Lufthansa Zeit" Die Gespräche zwischen der Flugbegleitergewerkschaft Ufo und Lufthansa sind geplatzt. Ufo sieht die Verantwortung dafür bei der Lufthansa und droht mit Streiks. © Foto: Marijan Murat/dpa

Die UFO wolle die neue Situation nun intern bewerten. Der Verzicht auf die Schlichtung könne nicht das letzte Wort sein, sagte der UFO-Sprecher. Er wies darauf hin, dass für die vier Lufthansa-Töchter keine Friedenspflicht gelte und daher Streiks erneut möglich seien. Bei der Lufthansa selbst sei die Kabine in der Friedenspflicht, aber dennoch zu Warnstreiks berechtigt.

Die UFO organisierte Anfang November einen 48-stündigen Streik bei der Kerngesellschaft, auch um die Airline an den Verhandlungstisch zu bringen. Lufthansa musste 1.500 Flüge streichen, 200.000 Passagiere waren betroffen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte vergeblich versucht, den Streik gerichtlich verbieten zu lassen. Am ersten Streiktag bot er dann Gespräche über eine Schlichtung an.