Die Commerzbank bereitet die Erhebung von Strafzinsen auf besonders hohe Einlagen von Privatkunden vor. "Wir haben zahlreiche Privatkunden angesprochen", sagte Finanzchef Stephan Engels in einer Telefonkonferenz, über die mehrere Nachrichtenagenturen berichteten. Bislang habe die Commerzbank so gut wie keinem Privatkunden Strafzinsen in Rechnung gestellt. Nun beginne man, Maßnahmen umzusetzen. "Das Potenzial ist sehr groß", so Engels. "Wir fangen mit Kunden mit hohen Einlagen an", hieß es weiter.

Ab welcher Einlagenhöhe die Strafzinsen genau gelten sollen, ließ Engels offen. Für die Mehrheit ihrer Privatkunden schließt die Commerzbank Strafzinsen nach wie vor aus. Es gebe derzeit nicht die Absicht, die Kosten der Negativzinsen an kleine Privatkunden weiterzugeben, sagte Engels. Kunden, die deutlich mehr als eine Million Euro auf dem Bankkonto haben, versuche die Commerzbank aber von alternativen Anlagemöglichkeiten zu überzeugen. "Bei privaten Kunden kehren wir die Treppe von oben, wir sind da im Moment aber noch weit weg von irgendeiner Annäherung an die Grenze von 100.000 Euro", sagte Engels. "Wir wollen die Kunden nicht vertreiben, sondern wir wollen ein Problem, das wir alleine nicht mehr tragen können, vernünftig managen." 

Im Oktober hatte auch der Privatkundenvorstand der Commerzbank, Michael Mandel, im Handelsblatt mitgeteilt, dass die Bank über die Einführung von Maßnahmen wie Strafzinsen das Gespräch mit sehr vermögenden Privatkunden suche. Dabei gehe es aber explizit nur um Einlagen in Höhe von mehreren hunderttausend Euro.

Bislang erhebt die Commerzbank allein bei Firmenkunden Strafzinsen – ebenfalls ab einer bestimmten Einlagenhöhe. Finanzchef Engels zufolge werden diese nun an die gesunkenen Zinsen angepasst. Auch die Freibeträge sollen demnach überprüft werden. Zudem will die Commerzbank mit Preiserhöhungen und einer Anpassung des Produktangebots einem zu hohen Zufluss von Einlagen entgegenwirken. 

Belastung durch niedrige Zinsen

Seit 2014 müssen Geldinstitute Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Europäische Zentralbank (EZB) parken. Diesen sogenannten Einlagesatz hatte die EZB zuletzt auf minus 0,5 Prozent gesenkt, zugleich aber einen Teil der Einlagen von dem Strafzins ausgenommen. Doch die Entlastung durch diesen Staffelzins sei geringer als die Belastung durch die niedrigeren Zinsen, sagte Engels. 

Da kein Ende der lockeren Geldpolitik der EZB absehbar ist, sind die Marktzinsen in den vergangenen Monaten weiter unter Druck geraten. Vorstandschef Martin Zielke hatte Anfang August eingeräumt, dass unter anderem dieses Zinstief die Branche vor zunehmende Herausforderungen stellt. Im September hatte die Commerzbank unter Verweis auf die niedrigen Zinsen angekündigt, die Gebühren für Bankkunden zu erhöhen.

Nach eigenen Angaben rechnet die Commerzbank nun trotz eines guten Sommerquartals mit einem Gewinnrückgang im Gesamtjahr. Der Vorstand erwartet für 2019 einen Rückgang des Konzernüberschusses, nachdem er bislang noch eine leichte Steigerung gegenüber den 865 Millionen Euro im Vorjahr in Aussicht gestellt hatte.

Größter Anteilseigner des Frankfurter MDax-Konzerns ist seit zehn Jahren der deutsche Staat.