Der insolvente deutsche Reiseveranstalter Thomas Cook hat schon gebuchte Reisen für das kommende Jahr abgesagt. "Reisen der deutschen Thomas-Cook-Veranstalter mit Abreisedatum ab 1. Januar 2020 können, auch wenn sie teilweise oder gänzlich bezahlt wurden, aus insolvenzrechtlichen Gründen nicht angetreten werden", teilte das Unternehmen mit. Zuvor hatte die deutsche Thomas Cook, die nach der Pleite des britischen Mutterkonzerns im September Insolvenz angemeldet hatte, bereits alle Reisen bis Ende des Jahres gestrichen.

Die betroffenen Kunden würden nun "so schnell wie möglich proaktiv von den Veranstaltern informiert", kündigte das Unternehmen an. Dies gilt demnach für die Veranstaltermarken Thomas Cook Signature, Thomas Cook Signature Finest Selection, Neckermann Reisen, Öger Tours, Bucher Reisen und Air Marin. Auch Leistungen, die über die Schweizer Gesellschaft Thomas Cook International (TCI) gebucht wurden, sind betroffen, nicht aber Reisen von Drittveranstaltern, die über die Websites neckermann-reisen.de und urlaub.de oder in den Thomas-Cook-Reisebüros gebucht wurden. Für den Zeitraum bis September 2020 hatten früheren Angaben zufolge etwa 660.000 Urlauber gebucht.

"Es tut uns unendlich leid, dass wir nun auch unseren Kunden mit Abreise im neuen Jahr endgültig diese Nachricht überbringen müssen."
Stefanie Berk, Vorsitzende der Geschäftsführung der Thomas Cook GmbH

Betroffene Kunden mit Sicherungsschein können ihre Ansprüche dem vom Versicherer Zurich beauftragten Dienstleister Kaera unter www.kaera-ag.de anmelden.

"Es tut uns unendlich leid, dass wir nun auch unseren Kunden mit Abreise im neuen Jahr endgültig diese Nachricht überbringen müssen", sagte Stefanie Berk, Vorsitzende der Geschäftsführung der Thomas Cook GmbH. "Wir hoffen aber, unseren Kunden und Vertriebspartnern damit die notwendige Planungssicherheit geben zu können."

Geschäftsführung versucht, Unternehmen zu erhalten

Den Angaben zufolge gibt es bislang kein belastbares Angebot für die Fortführung des Unternehmens als Ganzes oder für das Veranstaltergeschäft der Thomas Cook Touristik GmbH. Aus rechtlichen Gründen wird daher die Einstellung des operativen Geschäftsbetriebs der Thomas Cook Touristik GmbH, zu der Neckermann Reisen, Air Marin und Thomas Cook Signature gehören, zum 1. Dezember 2019 vorbereitet, wie das Unternehmen bereits mitgeteilt hatte.

Die Geschäftsleitung und die vorläufigen Insolvenzverwalter versuchten dennoch, "unter Hochdruck noch bis zum Monatsende jede sich bietende Chance für den Erhalt des Traditionsunternehmens zu nutzen", hieß es. Konkrete Angebote gebe es für die Bucher Reisen & Öger Tours GmbH, trotzdem könne die Durchführung der gebuchten Reisen nicht gewährleistet werden. Konkurrent DER Touristik wiederum strebt die Übernahme der Hotelmarke Sentido und den Kauf der Reisebürofranchisemarke Holiday Land an.

Die von der Insolvenz betroffenen Feriengäste sollen von Dezember an entschädigt werden. Klar ist allerdings, dass die versicherte Summe bei Weitem nicht ausreicht und dass Geschädigte nur einen Teil ihrer Auslagen zurückbekommen. Die deutsche Thomas Cook war nur bis 110 Millionen Euro beim Versicherer Zurich versichert. Die Ansprüche der Kunden belaufen sich Medienberichten zufolge allerdings auf rund 500 Millionen Euro. Zum Zeitpunkt der Insolvenz waren 140.000 Reisende unterwegs, die ihren Urlaub teils abbrechen mussten. Dazu kommen Gäste, die wegen des Reisestopps nicht starten können, ihren Urlaub aber schon an oder voll gezahlt haben.