Der US-Flugzeughersteller Boeing muss künftig auf eine seiner wichtigsten Führungskräfte verzichten. John Hamilton, der Chefingenieur der Verkehrsflugzeugsparte des Konzerns, geht vorzeitig in den Ruhestand. Das teilte der Konzern seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in einem internen Memo mit, die Seattle Times hatte als Erstes darüber berichtet.

Hamilton hatte erst im Frühjahr nach den beiden Abstürzen des Modells 737 Max das Krisenmanagement für den Konzern übernommen. Er stand bei den Anhörungen zu den Hintergründen der Flugzeugabstürze im US-Kongress an der Seite von Vorstandschef Dennis Muilenburg.

Dem Memo zufolge wollte Hamilton sich eigentlich schon im vergangenen Jahr zurückziehen. "Wir baten ihn, noch zu bleiben, um uns mit den 737-Max-Untersuchungen und den Bemühungen um eine Wiederinbetriebnahme zu helfen", schrieben die Boeing-Manager Stan Deal und Greg Hyslop an ihre Mitarbeiter. Hamilton war 35 Jahre im Unternehmen tätig, seine Nachfolgerin wird die hochrangige Boeing-Ingenieurin Lynne Hopper. Mit Hamiltons Rücktritt verliert der Konzern binnen weniger Monate eine zweite Führungskraft. Im Juni ging nach nur einem Jahr auf seinem Posten Eric Lindblad, der Leiter des 737-Programms.

Wiederzulassung der 737 Max nicht vor März 2020

Die 737 Max war zunächst ein Verkaufsschlager des Konzerns, mit dem der europäische Konkurrent Airbus ausgestochen werden sollte. Nach zwei Abstürzen über Indonesien und Äthiopien mit insgesamt 346 Toten wurde ein weltweites Flugverbot für den Maschinentyp verhängt. Boeings Bemühungen um eine Wiederzulassung waren bisher nicht erfolgreich, mehrmals musste der Konzern die Wiederinbetriebnahme verschieben, zuletzt auf März kommenden Jahres.

Die Abstürze waren für Boeing ein Skandal: Ein Konstruktionsfehler sowie Mängel in der Programmierung der Steuersoftware sollen den Untersuchungen zufolge die Abstürze ausgelöst haben – Fehler, von denen der Konzern offenbar bereits zuvor gewusst hat. Im Vergleich zu vergangenen Jahr brachen Boeings Umsätze um ein Fünftel, der Gewinn je nach Quartal bis zu um die Hälfte ein

Profiteur war bisher Airbus: Erst kürzlich bestellte die US-Flugzeuggesellschaft United Airlines 50 Maschinen beim europäischen Boeing-Konkurrenten, ein für US-Airlines eher untypisches Vorgehen. Die 737 Max kann für Boeing aber dennoch profitabel werden, das Vertrauen vieler Airlines in die Maschine bleibt bestehen. So bestellte eine türkische Airline erst im November zehn Maschinen des Modells.