Die deutsche Unternehmensfamilie Reimann hat zur Unterstützung von Holocaustüberlebenden fünf Millionen Euro gespendet. Das Geld soll von der Organisation Claims Conference verwaltet werden, die sich weltweit für Holocaustüberlebende einsetzt. Das teilte die Familienstiftung Alfred Landecker Foundation in einem Statement mit. Weitere fünf Millionen Euro sollen ausgegeben werden, um einstige Zwangsarbeiter zu finden und zu entschädigen, die das ehemalige Chemieunternehmen Benckiser einsetzte.

"Die von der Alfred Landecker Stiftung bereitgestellten Mittel werden einen spürbaren Unterschied im Leben vieler Überlebender machen, die es so sehr verdienen", sagte der Präsident der Conference, Julius Berman. "Betagte, mittellose Holocaustüberlebende benötigen Lebensmittel, Medizin und Heizung im Winter. Diese Gelder erlauben es Tausenden Überlebenden, in Würde zu leben."

Außerdem sollen weitere 25 Millionen Euro jährlich in Bildungsprogramme über den Holocaust und Demokratie fließen. Die Reimann-Familie rief dafür die Stiftung Alfred Landecker in Berlin ins Leben. Landecker war ein deutscher Jude, der von den Nazis getötet wurde und dessen Enkelkinder heute zusammen 45 Prozent der Anteile an JAB halten.

Die Unternehmerfamilie Reimann gilt als reichste Familie Deutschlands. Aus dem Chemieunternehmen Benckiser ging Reimanns heutige Holding JAB hervor, zu der unter anderem der Kosmetikkonzern Coty, die Sandwich-Kette Pret A Manger und Kaffeeröster Jacobs gehören. Sie ist etwa 20 Milliarden Euro wert.

Chefs spendeten Geld an SS

Die Bild am Sonntag hatte im März berichtet, dass die damaligen Benckiser-Chefs, Albert Reimann und sein gleichnamiger Sohn, Mitglieder der NSDAP waren und vom Zweiten Weltkrieg profitiert haben. Sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, sei ein emotionaler Weckruf für die Familie gewesen, sagte David Kamenetzky der Nachrichtenagentur AP. Er ist der Verwaltungsratschef von JAB Investors sowie Vorsitzender des Alfred-Landecker-Stiftungsrates. Im Laufe dieses Jahres hatte die Familie Details einer Untersuchung ihrer Nazivergangenheit veröffentlicht. Den Erkenntnissen zufolge setzten Reimann senior und junior russische Zivilisten und französische Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter ein. Schon früh waren sie Unterstützer der NSDAP und spendeten Geld an die SS, bevor Adolf Hitler an die Macht kam.

Laut Kamenetzky sind bislang 838 Menschen gefunden worden, die während des Kriegs zur Arbeit bei Benckiser gezwungen wurden. Keiner sei jüdisch gewesen oder aus Konzentrationslagern zu Benckiser geschickt worden. Nun solle festgestellt werden, wer von ihnen noch am Leben sei. Neben dem Angebot einer finanziellen Entschädigung sollten sie gebeten werden, von ihren Erfahrungen zu erzählen. "Wir haben eine Verpflichtung, der Geschichte nachzugehen", sagte Kamenetzky.

Die fünf Millionen Euro an die Organisation Claims Conference sind für deren Nothilfeprogramm für Holocaustüberlebende in kurzfristigen finanziellen Krisen vorgesehen. Die Summe werde über die kommenden drei Jahre an 200 gemeinnützige Gruppen weitergegeben, sagte der Vizepräsident der Claims Conference, Greg Schneider. Die Organisation half in diesem Jahr etwa 10.500 Überlebenden in 34 Ländern. Das zusätzliche Geld werde höhere Beihilfen oder Unterstützung für etwa 3.000 weitere Überlebende ermöglichen.