Die Bundesregierung will Pauschalurlaubern des insolventen Reiseunternehmens Thomas Cook finanziell helfen. "Schäden, die nicht von anderer Seite ausgeglichen werden, wird der Bund ersetzen", teilte die Bundesregierung nach einer Kabinettssitzung mit und kündigte ein "möglichst einfaches und kostenfreies Verfahren" an. "Die Kunden müssen aktuell nicht selbst aktiv werden, um ihre Rechte zu wahren", hieß es.

Den Thomas-Cook-Kunden solle angeboten werden, die Differenz zu der Summe, die sie vom Versicherer Zurich "oder von anderer Seite zurückerhalten haben, auszugleichen". Anfang 2020 will der Bund über die weiteren Schritte zur Abwicklung informieren. "Es ist den Kundinnen und Kunden nicht zumutbar, dass sie jeweils auf sich gestellt für die Klärung der komplexen offenen Rechtsfragen sorgen müssen", so der Bund. Dadurch sollen Tausende Klageverfahren und langjährige Rechtsstreitigkeiten vermieden werden.

Die deutsche Thomas Cook hatte Mitte September nach der Pleite des britischen Mutterkonzerns einen Insolvenzantrag gestellt. Im November dann hatte der Versicherer Zurich mitgeteilt, dass Betroffene bisher einen Schaden von 250 Millionen Euro gemeldet haben. Versichert ist aber nur eine Summe von 110 Millionen Euro. Die Absage aller Thomas-Cook-Reisen nach dem Jahreswechsel wird die Forderungen weiter erhöhen, hieß es. Endgültige Zahlen will der Versicherungskonzern im Laufe der nächsten Tage bekannt geben.

Gesetz verlangt "vollumfänglichen Schutz"

Anders als Individualtouristen sind Pauschalurlauber versichert, wenn ihr Reiseveranstalter pleite geht und die gebuchten Ferien ausfallen. Doch im Fall des Branchenriesen Thomas Cook zeigten sich aufgrund der 110-Millionen-Euro-Deckelung die Grenzen der gesetzlichen Sicherung.

Erste Anwälte haben sich bereits in Stellung gebracht. Sie werfen dem Gesetzgeber vor, geltendes EU-Recht nicht korrekt umgesetzt zu haben. Die EU-Richtlinie verpflichte Mitgliedstaaten dazu, Pauschalreisenden im Falle einer Insolvenz des Veranstalters "vollumfänglichen Schutz" zu bieten. Das habe der deutsche Staat versäumt. Auch die Justizminister der Bundesländer hatten den Bund jüngst aufgefordert, zu prüfen, die Deckelung zu erhöhen.