ZEIT ONLINE: Das ist aber die Aussage, die wir von Arbeitern der Fabrik erhalten haben, in der Sie produzieren lassen. Auch die Gewerkschaften bestätigen dies. Warum sprechen Sie nicht auch mit einer Gewerkschaft vor Ort?

Bezdeka: Wir haben viel Kontakt zu den Arbeitern. In Ihrem Text schildern Sie, dass viele Arbeiter sehr erschöpft seien. Das können wir nicht bestätigen. Immer wieder gibt es in der Produktion auch Leerzeiten. Es gibt in der Fabrik eine Kantine, in der mittags gegessen wird. Im Hof spielen die Beschäftigten eine Art Tennis-Fußball, ein Sport, der in Kambodscha sehr beliebt ist. Da ist uns nicht aufgefallen, dass die Arbeiter vor Erschöpfung nicht mehr können.

ZEIT ONLINE: In der Textilbranche ist es inzwischen mehr und mehr üblich, mit unabhängigen Prüfern zusammenzuarbeiten, die Produktionsstätten zertifizieren. Wäre das eine Lösung für Sie?

Bezdeka: Wir wollen die Sache nicht auf sich beruhen lassen. Wir nehmen die Vorwürfe sehr ernst und werden dem nachgehen. Wir müssen womöglich externe Hilfe finden, die für uns ein klareres Bild erstellt, um Dinge zu sehen, die wir bisher womöglich nicht gesehen haben. Wir wollen so nicht arbeiten.

ZEIT ONLINE: Haben Sie jemals berechnet, wie viel teurer Ihre Räder wären, wenn Sie sie selbst herstellen würden?

Bezdeka: Natürlich haben wir uns das angeschaut. Man müsste es aber mit einem taiwanesischen Partner machen, weil da das Know-how liegt. Es müsste ein Art Joint Venture sein. Es gibt einen spanischen Hersteller, der in Portugal ein Werk aufgebaut hat, auch zum Schweißen von Aluminiumrahmen. Man muss eine solche Produktion mit einem hohen Maß an Automatisierung ausstatten, um am Markt einen Preis zu erzielen, der überhaupt eine Chance hat. Das erfordert hohe Investitionen. Man hört hier von einer mittleren zweistelligen Millionensumme. Wir haben in diesem Werk versucht, Produktionsmöglichkeiten für uns zu finden. Aber als Marke für Kinderräder steht man immer hinten an, weil die Margen kleiner sind. Für die Hersteller ist das nicht wahnsinnig attraktiv. Sie haben abgelehnt.

ZEIT ONLINE: Aber es gibt doch auch Hersteller aus Deutschland oder anderen europäischen Ländern, die "Made in Germany" auf ihre Räder schreiben. Wie machen die das? 

Bezdeka: Es gibt die Möglichkeit, einen Rahmen zu kaufen und ihn dann mit den weiteren Komponenten auszustatten. Diese Hersteller schreiben dann "Made in Germany" auf das Rad. Da muss einem aber klar sein, dass der Rahmen auch in China oder anderen südostasiatischen Ländern geschweißt wird. Das wird dann nach Europa geholt und weiter zusammengebaut. Man könnte jetzt darüber streiten, wie sehr "Made in Germany" das ist. So sieht aber die Realität einer globalisierten Lieferkette und Wirtschaft aus.

ZEIT ONLINE: Die Europäische Union droht Kambodscha momentan damit, bestimmte Handelsvorteile zu entziehen, wenn sich die Lage im Land nicht verbessert. Die Fahrradfabriken wiederum sagen, dass sie Kambodscha verlassen, sollte es dazu kommen. Was halten Sie von diesem Streit?

Bezdeka: Das ist ein politisches Tauziehen, das letzten Endes auf dem Rücken der Menschen dort ausgetragen wird. Ich halte das Programm der Zollfreiheit, das die EU Kambodscha gewährt, für sehr gut. Ich habe in den Jahren, die wir immer wieder vor Ort waren, den Aufschwung im Land beobachtet. Familien können von der Arbeit in den Fabriken besser leben als zuvor. Die Bedingungen sind nicht so wie bei uns und könnten besser sein, aber mit dem Aufschwung wächst auch der Wohlstand der Menschen. Das Programm der EU erfüllt seinen Zweck. Die Entwicklung geht voran. Es wäre schlecht, wenn das jetzt durch diesen Streit einfach endet.