Der europäische Flugzeughersteller Airbus hat im vergangenen Jahr so viele Verkehrsflugzeuge ausgeliefert wie nie zuvor und damit seinen US-Konkurrenten Boeing als weltgrößten Hersteller abgelöst. Wie das französisch-deutsche Unternehmen mitteilte, übertraf es mit 863 Maschinen die eigene Bestmarke aus dem vergangenen Jahr (800) um acht Prozent. Bei der Stückzahl handelt es sich um die höchste in der Geschichte von Airbus.

Der europäische Konzern erreichte den Rekord trotz Verzögerungen in der Herstellung, die Airbus zu einer Absenkung seiner Fertigungsziele für dieses Jahr gezwungen hatten. Nach Unternehmensangaben gingen im vergangenen Jahr zudem insgesamt 768 Bestellungen für neue Flugzeuge ein.

Boeing hat seine Jahreszahlen zwar noch nicht vorgelegt, kam bis Ende November aber lediglich auf 345 ausgelieferte Maschinen. Mehr als 400 bereits fertige Exemplare des Mittelstreckenjets 737 Max kann Boeing bisher nicht an die Kunden übergeben, da für den Typ nach zwei tödlichen Abstürzen ein weltweites Flugverbot gilt.

Milliardenrücklagen für Entschädigungen

Die 737 Max war lange das meistgefragte Modell des US-Konzerns. Die spritsparende Neuauflage der Boeing 737 wurde als Konkurrenzmodell des Airbus A320neo entwickelt und die technischen Möglichkeiten vollends ausgereizt. Dies führte nach Auffassung der Ermittler zu den tödlichen Abstürzen. So sollen die Unglücke mit einem Stabilisierungssystem zusammenhängen, das bei einem drohenden Strömungsabriss die Flugzeugnase nach unten drückt – ohne dass die Piloten gewusst haben, wie sie diesen Automatismus stoppen können. Insgesamt kamen 346 Menschen ums Leben.

Derzeit fordern Fluggesellschaften hohe Entschädigungszahlungen von Boeing, nachdem sie wegen des Flugverbots der Max-Maschinen Tausende Flüge streichen und auf andere Modelle zurückgreifen mussten. Der Flugzeughersteller stellte im Juli 5,6 Milliarden Dollar (knapp 5,1 Milliarden Euro) für solche Zahlungen zurück. Im Dezember setzte Boeing dann seinen umstrittenen Chef Dennis Muilenburg ab. Sein Nachfolger David Calhoun tritt den Posten in der kommenden Woche an.