Der ehemalige Leiter der Abteilung für internationale Beziehungen bei Google erhebt schwere Vorwürfe gegen seinen Ex-Arbeitgeber. Ross LaJeunesse wirft dem Technologieunternehmen vor, Profite über Menschenrechte zu stellen.

LaJeunesse hatte Google im Mai nach mehr als zehn Jahren verlassen. In einem Blogpost schrieb er jetzt über seine Erfahrungen. Besonders besorgniserregend finde er, dass Google Projekte in Ländern forciere, die Menschenrechte missachten. So habe Google beispielsweise erwogen, in China eine zensierte Suchmaschine mit dem Namen Dragonfly auf den Markt zu bringen und zweifelhafte Deals mit der Regierung von Saudi-Arabien einzufädeln.

LaJeunesse habe versucht, ein unternehmensweites Programm für Menschenrechte einzuführen, doch diese Anstrengungen seien blockiert worden. Vorgesetzte hätten befürchtet, solche Verpflichtungen könnten Google einer weiteren Haftung aussetzen und damit zu Gewinneinbußen führen. Als später ein Kollege ernannt wurde, der die Richtlinien für Dragonfly erarbeiten sollte, fühlte sich LaJeunesse "kaltgestellt".

Höhere Gewinne statt Menschenrechtsgrundsätze

"Mir wurde klar, dass das Unternehmen nie beabsichtigt hatte, Menschenrechtsgrundsätze in seine Geschäfts- und Produktentscheidungen einzubeziehen", schrieb LaJeunesse in seinem Blogeintrag. "Es entschied sich stattdessen für höhere Gewinne und einen noch höheren Aktienkurs."

LaJeunesse schreibt, er habe mehrfach Bedenken über die Projekte in China geäußert. Später sei ihm dann mitgeteilt worden, dass sein Job aufgrund einer "Umstrukturierung" wegfalle. "Für mich waren keine zusätzlichen Beweise dafür erforderlich, dass der langjährige Claim 'Sei nicht böse' nicht mehr die Werte des Unternehmens widerspiegelt", schrieb LaJeunesse. "Es ist jetzt nichts mehr als nur ein Marketingtool."

Bevor LaJeunesse 2008 bei Google anfing, war er Assistent des damaligen kalifornischen Gouverneurs Arnold Schwarzenegger. Inzwischen hat er eine politische Laufbahn eingeschlagen und kandidiert als Demokrat im US-Bundesstaat Maine gegen die republikanische Senatorin Susan Collins.