Das Kanzleramt hat zu einem Spitzentreffen über Billigpreise von Lebensmitteln geladen. Das teilte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner mit. Der CDU-Politikerin zufolge soll das Treffen am 3. Februar stattfinden. Einem Bericht zufolge sind auch die Handelskonzerne Edeka, Aldi Nord, und Lidl eingeladen. Sie bestätigen der Süddeutschen Zeitung, eine Einladung erhalten zu haben. 

"Es ist wie David gegen Goliath, wenn Bauern mit dem Handel verhandeln", teilte Klöckner mit. Der Handel beklage zwar, dass Verbraucher nicht mehr bezahlen wollten, setze aber selbst immer mehr Tiefstpreise. Am Ende bade das der Erzeuger aus, dem immer weniger bleibe. "Das ist das Gegenteil von Nachhaltigkeit", kritisierte sie. Das solle bei dem Treffen im Kanzleramt thematisiert werden.

Edeka-Werbung verärgert Landwirte

Klöckner reagierte auf eine Demonstration von Bauern vor einem Großlager des Lebensmittelhändlers Edeka in der Nähe von Oldenburg. Anlass war nach Angaben des Bauernverbands Landvolk Niedersachsen ein Werbeplakat, auf dem der Komiker Otto Waalkes zum 100-jährigen Bestehen der Regionalgesellschaft Edeka Minden-Hannover mit dem Spruch "Essen hat einen Preis verdient: den niedrigsten" wirbt. 

Nach Angaben von Edeka handelte es sich um ein Missverständnis. Gemeint war demnach der Ort Essen bei Oldenburg – nicht Essen im Sinne von Lebensmitteln. Ziel der Kampagne sei, alle Ortschaften, wie etwa auch Minden oder Bremen "individuell anzusprechen", wie Edeka mitteilte. Die angekündigten Preisreduzierungen gingen zudem nicht zulasten der Landwirte. "Die Plakate, die zu dem Missverständnis geführt haben, wurden nach den ersten Hinweisen umgehend entfernt", hieß es.

"Wertschätzung erzeugt man damit nicht"

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes Joachim Rukwied hatte kritisiert, dass "hochwertige Lebensmittel verramscht" werden sollten. "Wertschätzung von Essen und Lebensmitteln erzeugt man damit nicht", teilte er mit. Qualität, Nachhaltigkeit und Zusammenarbeit in der Lieferkette bringe man so nicht nach vorne. Er forderte eine Prüfung des Bundeskartellamtes, ob die Kette ihre "Marktmacht" missbrauche.

Seit Monaten gehen Bauern immer wieder auf die Straße, um gegen die Produktionsbedingungen in der Landwirtschaft zu demonstrieren. Dabei geht es auch um Umweltauflagen, mit denen die Bundesregierung Boden, Wasser und Luft schützen will. Die Bauern sehen sich in ihrer Existenz bedroht und fordern, für Umweltschutz, aber auch insgesamt für ihre Produkte angemessen bezahlt zu werden. Klöckner weist immer wieder auf die Macht der Verbraucher hin.