Die Supermarktkette Real wird durch ihren Verkauf vermutlich vom Markt verschwinden. Dies geht aus Recherchen des Internetportals Chip Online hervor. Demnach will der Immobilieninvestor x+bricks Real gemeinsam mit dem russischen Investor SCP Group komplett übernehmen. Damit wäre der Groß- und Einzelhandelskonzern Metro die wirtschaftlich angeschlagene Kette los. Auch der Onlineshop solle an die beiden Unternehmen gehen.

Wie Chip Online aus Insiderkreisen der SCP Group erfuhr, sollen alle Real-Märkte an Mitbewerber weiterverkauft werden. Zu den möglichen Käufern gehörten die Supermarktketten Rewe, Edeka, Kaufland, Lidl, Netto sowie die Baumärkte Toom und Obi. Auch andere Händler sollten die Möglichkeit haben, Angebote vorzulegen. Mit einem kleinen Filialnetz solle Real dann noch übergangsweise als Marke bestehen bleiben. Allerdings ist noch unklar, wer sich um Warenbestände und Lieferung kümmern soll.

Auch ist unklar, wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter letztlich entlassen oder übernommen werden. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Werner Klockhaus hatte am Dienstag vor knapp 10.000 Entlassungen gewarnt. Allein durch die zu erwartende Schließung von rund 50 Geschäften seien laut Klockhaus rund 6.000 Arbeitsplätze bedroht. Weitere 4.000 Stellen könnten in den Fachabteilungen der weitergeführten Geschäfte und in der Zentralverwaltung wegfallen, hieß es vom Betriebsratsvorsitzenden.

Metro-Chef rechnet nicht mit Verlust von 10.000 Stellen

Der Nocheigentümer Metro wollte das nicht kommentieren, teilte Chip Online aber mit: "Die Wahrung der Mitarbeiterinteressen ist für den Metro-Vorstand ein zentrales Thema in den Verkaufsgesprächen. Wir setzen uns dafür ein, dass mit den Märkten auch die Mitarbeiter von den übernehmenden LEH-Unternehmen weiterbeschäftigt werden." Konzernchef Olaf Koch rechnet nicht mit dem Verlust von 10.000 Arbeitsplätzen. "Die jetzt ins Spiel gebrachte Zahl ist nach meiner persönlichen Einschätzung zu hoch", sagte der Metro-Chef am Mittwoch der Wirtschaftswoche.

Der Konzern setze sich in den Verkaufsgesprächen "für vertragliche Regelungen ein, nach denen die Real-Mitarbeiter von den übernehmenden Einzelhandelsunternehmen weiterbeschäftigt werden", sagte Koch. Der Konzern habe für alle Real-Mitarbeiter, die trotz aller Bemühungen durch betriebsbedingte Kündigung ihren Arbeitsplatz verlieren, mit dem Betriebsrat bereits eine soziale Absicherung vereinbart. Damit werde das Unternehmen seiner sozialen Verantwortung auch über den Verkaufstag hinaus gerecht.

Das wichtige Weihnachtsquartal verlief für die Metro nach eigenen Angaben im Rahmen der Erwartungen. Trotz negativer Effekte des Dauerstreiks in Frankreich und der Demonstrationen in Hongkong stieg der Umsatz im fortgeführten Geschäft – also ohne die zum Verkauf stehende Supermarktkette Real und das China-Geschäft – um 2,2 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro. Dabei profitierte Metro allerdings auch von positiven Währungseffekten. Ohne diesen Rückenwind hätte das Umsatzplus lediglich bei 1,0 Prozent gelegen.