Wie sehr Tesla die Autoindustrie aufwirbelt, zeigt ein Blick an die Börse: Mit mehr als 160 Milliarden Euro ist der kalifornische Elektroautospezialist inzwischen sogar mehr wert als Volkswagen und BMW zusammen. Dabei verkaufte Tesla im vergangenen Jahr weltweit nicht mal 370.000 Autos, während es der VW-Konzern und BMW zusammen auf rund 13,5 Millionen Fahrzeuge brachten. 

Der Unternehmenswert hält Tesla jedoch nicht davon ab, im großen Stil staatliche Subventionen zu kassieren. Für den Bau seiner neuen Fabrik im brandenburgischen Grünheide setzt Tesla-Chef Elon Musk offenbar sogar gleich doppelt auf Unterstützung durch den deutschen und europäischen Steuerzahler.

Geld zu holen ist zum einen beim Land Brandenburg, das vor einigen Tagen einen Kaufvertrag mit dem US-Investor für ein riesiges Grundstück in der Gemeinde Grünheide unterzeichnet hat. Tesla hat schon im November bei der Brandenburgischen Staatsregierung Fördermittel aus dem Topf der Regionalförderung beantragt. Noch könne die Höhe der Fördersumme nicht beurteilt werden, sagte der Vorstandschef der zuständigen Investitionsbank des Landes Brandenburg, Tillmann Stenger. Er gehe aber davon aus, dass sie bei weit mehr als 100 Millionen Euro liegen werde. Die Regionalförderung sei "bei Gewerbeansiedlungen allgemein üblich", heißt es im Brandenburger Wirtschaftsministerium.

Das bestätigt auch Ökonom Joachim Ragnitz, Vizechef des Ifo-Instituts in Dresden, der die ostdeutsche Wirtschaftsentwicklung in den vergangenen 30 Jahren vor Ort beobachtet. Wenn es öffentliche Förderangebote gebe, "dann werden die auch ausgereizt". In Summe habe die Förderung von Industrieansiedlungen ja auch viele tausend Arbeitsplätze gebracht. Und gerade Tesla sei als "knallharter Verhandlungspartner" bekannt, sagt Ragnitz.

270 Millionen Euro Beihilfe?

"Tesla bekommt keinerlei Sonderbehandlung", betont man im brandenburgischen Wirtschaftsministerium. Bei der beantragten Beihilfe handle es sich um Mittel aus der sogenannten GWR-Investitionsförderung. Das steht für "Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur".

Die Obergrenze derartiger Beihilfen gibt bei solchen Summen die EU vor und muss diese auch genehmigen. Danach können bei Projekten von mehr als 100 Millionen Euro bis zu 6,8 Prozent der Investitionssumme als Beihilfe aus dem GWR-Topf bezahlt werden. Von bis zu vier Milliarden Euro, die Tesla in seine vierte Gigafacory stecken will, ist die Rede. Dann könnten die Beihilfen bis zu 270 Millionen Euro betragen. Welche Summe bislang bereits konkret beantragt wurde, wollen weder die Brandenburger Staatskanzlei noch Tesla selbst verraten. Und nicht nur bei den GWR-Mitteln könnte Tesla Staatshilfe in Anspruch nehmen – zusätzlich könnte auch die Ausbildung von Mitarbeitern für die Gigafactory mit bis zu 50 Prozent vom Land bezuschusst werden.

Wenn man allerdings die Suche Teslas nach einem Standort in Europa verfolgt, dann ist es nur logisch, dass die US-Amerikaner das mögliche Maximum anstreben. Schließlich hat Tesla nicht nur mit Brandenburg, sondern auch mit mehreren anderen Bundesländern sowie Bewerbern aus anderen europäischen Ländern über die neue Gigafabrik verhandelt.

Die Subventionen seien aber sicherlich nicht der einzige Grund für die Wahl des Standorts in Brandenburg gewesen, sagt Ökonom Ragnitz, da hätte Tesla wohl im nahen Polen noch mehr aushandeln können. Faktoren wie die Nähe der attraktiven Metropole Berlin oder das etablierte Zuliefernetzwerk hätten bei der Entscheidung sicherlich eine wichtige Rolle gespielt.