Ein US-Bundesgericht hat einen Großauftrag des amerikanischen Militärs an den Softwarekonzern Microsoft nach einer Klage von Amazon vorläufig gestoppt. Eine Bundesrichterin gab dem Antrag des Onlineversandhändlers auf einstweilige Verfügung statt. Amazon hatte sich ursprünglich selbst Hoffnung auf den Zehn-Milliarden-Dollar-Deal gemacht und behauptet, den Zuschlag wegen "unzulässigen Drucks von Präsident Donald Trump" nicht erhalten zu haben.

Bei dem Streit um das sogenannte Jedi-Projekt geht es um eine neue Cloud-Software, die es dem Pentagon ermöglichen soll, künftig Geheimdaten mithilfe künstlicher Intelligenz zu speichern und zu verarbeiten. Der Auftrag mit einer Laufzeit von zehn Jahren war im vergangenen Oktober überraschend an Microsoft gegangen, obwohl Amazons Cloud-Dienst AWS lange als Favorit gegolten hatte. Daraufhin hatte Amazon Klage eingereicht.

Mit dem Urteil muss Microsoft seine Arbeit an dem Projekt nun zunächst einstellen. Microsoft äußerte sich enttäuscht über die Gerichtsentscheidung, gab sich aber sicher, das Projekt doch noch umsetzen zu können. Vonseiten des Verteidigungsministeriums und von Amazon gab es keine direkte Stellungnahme. Auch die Begründung des Gerichts blieb unter Verschluss.

Trump und Amazon liegen schon länger im Clinch

Amazon wirft Trump vor, sich unrechtmäßig in den Vergabeprozess eingemischt zu haben. Dies sei die "plausibelste" Erklärung für mehrere "offenkundige, unerklärliche" technische Fehler, die zur Vergabe an den Konkurrenten Microsoft geführt hätten, sagte der Konzern im Dezember. Trump und Amazon-Chef Jeff Bezos, der laut Magazin Forbes reichste Mann der Welt, liegen seit Längerem im Clinch. Ein Grund: Bezos gehört die Zeitung Washington Post, die häufig kritisch über den Präsidenten berichtet. Umgekehrt hat sich Trump wiederholt kritisch über Amazon geäußert. Bezos ist auch für andere zum Feindbild geworden. Unter anderem gab es jüngst Spannungen zwischen ihm und dem saudi-arabischen Kronprinzen.

Amazons Anwälte wollen, dass die Auftragsvergabe erneut geprüft und neu entschieden wird. Sie wollen den US-Präsidenten und andere Regierungsvertreter außerdem zu einer Zeugenaussage unter Eid zwingen. "Es steht viel auf dem Spiel: Die Frage ist, ob es dem Präsidenten der Vereinigten Staaten erlaubt sein sollte, das Budget des [Verteidigungsministeriums] für seine persönlichen und politischen Ziele zu nutzen", hieß es im Dezember. Das US-Verteidigungsministerium hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

Amazons Web-Plattform AWS ist im lukrativen Cloud-Geschäft mit IT-Diensten und Speicherplatz im Internet klarer Marktführer.