Letztlich geht
es doch wieder um das Wasser. Seit der US-Elektroautohersteller Tesla im
November 2019 angekündigt hat, in Brandenburg seine neue Gigafactory zu bauen,
waren schon viele Streitthemen auf dem Tisch. Vieles konnte Tesla abwiegeln,
manches aussitzen, doch eine Frage hält sich hartnäckig: Gibt es in der Region überhaupt ausreichend Wasser für eine so große Autofabrik?
Zuletzt hat das ZDF diese Frage in einem Frontal 21-Report wieder aufgeworfen. Darin erhebt der Chef des regionalen Wasserverbunds Strausberg-Erkner, André Bähler, schwere Vorwürfe: "Die Trinkwasserversorgung wird geopfert auf dem Gabentisch der Wirtschaftspolitik", kritisiert er in der Sendung. Bähler befürchtet, dass es durch die Tesla-Produktion in Brandenburg zu Wasserknappheit kommen könnte. Dem wird in dem Bericht ein Zitat von Tesla-Chef Elon Musk entgegengestellt: "Im Grunde sind wir nicht in einer sehr trockenen Region", behauptet er. "Bäume würden nicht wachsen, wenn es kein Wasser gäbe."
Tatsächlich ist Wasser in Brandenburg ein wertvolles Gut. Zwar fließt die Spree einmal quer durch das Bundesland, es gibt zahlreiche Seen und grüne Wälder, der Klimawandel macht aber auch vor der Region nicht Halt. Und mittendrin in Brandenburg liegt Berlin, das ebenfalls über die Spree mit Trinkwasser versorgt wird. Seit einigen Jahren wird das immer schwieriger. Die Spree schafft es in den Sommermonaten kaum noch, die benötigten acht Kubikmeter Wasser pro Sekunde in die Hauptstadt zu bringen, wie Umweltschützer, lokale Behörden und Politiker warnen. Die großen Speicherbecken in der Lausitz sind ebenfalls an der Kapazitätsgrenze. Die vergangenen Jahre waren heiß und trocken. Im Sommer mussten die Behörden deshalb bereits Verbote aussprechen: Kein Wasser aus der Spree entnehmen und bitte bloß nicht den eigenen Garten bewässern.
In dieser angespannten Situation wird nun ausgerechnet eine riesige Autofabrik gebaut – mitten ins Wasserschutzgebiet. Kein Wunder also, dass Anwohner und Naturschutzverbände nicht nur wegen seltener Tierarten protestieren, sondern vor allem wegen der noch immer ungeklärten Wasserfrage.
Bis zu 3,5 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr
372 Kubikmeter Wasser pro Stunde sollte die Fabrik ursprünglich benötigen – und das nur in der ersten Ausbaustufe. So stand es in den ersten Antragsunterlagen. Doch anders als in der ZDF-Sendung Frontal 21 dargestellt, ist sich Musk durchaus bewusst, wie wichtig das Thema Wasser in Brandenburg ist. Schon vor einem Jahr schrieb er auf Twitter: "Ich glaube, wir müssen ein paar Dinge klarstellen! Tesla wird nicht jeden Tag so viel Wasser verbrauchen. Es ist möglicherweise ein Spitzenverbrauchsfall, aber kein tägliches Vorkommen." Im ZDF wird dieser Tweet nur verkürzt abgebildet und aus dem Kontext gerissen, wofür Musk den Sender attackierte: "Schämen Sie sich", twitterte er, nachdem der Beitrag ausgestrahlt wurde.
Zudem hat Tesla seinen Wasserbedarf im zweiten Antrag von 3,3 Millionen Kubikmetern im Jahr auf rund 1,4 Millionen korrigiert. Das ist in etwa so viel wie eine 30.000-Einwohner-Stadt im Jahr verbraucht. Mit einem weiteren Ausbau der Fabrik werde der Verbrauch aber auf etwa 3,5 Millionen Kubikmeter ansteigen.
Für Kritiker der Gigafactory sind die Angaben Teslas Augenwischerei. Dabei ist das Unternehmen aus Kalifornien bekannt dafür, seine Produktion zu optimieren. Die jüngste Generation Akkus beispielsweise, die bald in alle Autos eingebaut werden soll, benötigt überhaupt kein Kobalt mehr – für dessen Nutzung Tesla jahrelang kritisiert worden war, weil in den Kobalt-Minen im Kongo Kinder ausgenutzt werden.
Auch beim Wasserverbrauch hat Tesla in den vergangenen Jahren den Verbrauch reduziert – zumindest, wenn man dem aktuellen Impact Report der Firma glaubt. Während 2018 noch 5,2 Kubikmeter Wasser bei der Herstellung eines einzelnen Autos benötigt wurden, so konnte dieser Verbrauch 2019 um 45 Prozent reduziert werden auf 2,9 Kubikmeter. Auch versucht das Unternehmen, sein Abwasser zu reduzieren oder wiederzuverwenden und Regenwasser zu nutzen.