Die Geschichte: Hamburg wurde in der vergangenen Woche flächendeckend mit Plakaten überzogen, die für „sexy Stücke“ und „heiße Geräte“ „aus Japan“ werben, demnächst in „sex Rotlichtvierteln“ in und um Hamburg erhältlich. Die Plakate sind in schrillen Farben auf schwarzem Grund gehalten, im oberen Teil ist die Silhouette einer nackten Frau zu sehen. Eindeutig zweideutig?

Wer nun aber auf den Werbträgern nach einer Telefonnummer oder gar nach einer Adresse sucht, wird im Unklaren gelassen; eine Information, für welche Firma hier die Trommel gerührt wird, fehlt. Der Verdacht, dass eine Sexshop-Kette auf sich aufmerksam machen möchte, liegt fern. Das nötige Kleingeld für eine solche Aktion wäre bestimmt da, die Erlaubnis jedoch nicht erteilt worden – auch nicht in der Reeperbahn-Stadt Hamburg.

Vergleiche mit der Markteinführung des Energiekonzerns e.on drängen sich auf: Vor wenigen Jahren blickte die deutsche Nation auf große knallrote Flächen und fragte sich, wer oder was dahinter steckt. Aber dieser Werbestreich war noch harmlos angesichts der kichernden Schulkinder, die in diesen Tagen an den Bushaltestelle stehen und sich gegenseitig die Botschaften der anonymen Plakate vorlesen.

Das Radio vermeldet seit kurzem die Auflösung: Der Mediamarkt hat seinen – ironisch gemeinten? - Slogan „Ich bin doch nicht blöd“ um diese pikante Note erweitert. Ob die schlüpfrigen Werbebotschaften von Erfolg gekrönt sind, wird sich zeigen. Sinn ergeben sie jedenfalls keinen. Denn was sind „heiße Teile aus Japan“? DVD-Spieler, die beim Benutzen heiß laufen, also Geräte mit Materialfehlern? Danke, kein Bedarf. Und – so die nicht minder anzügliche Radiowerbung –der Kunde darf kommen, so oft er möchte. Im Elektronik-Kaufhaus? Das muss doch nicht sein.

Nachdem wir die Benetton-Plakataktionen der 90er Jahre überstanden haben, kommt nun der nächste Angriff auf unseren noch nicht ganz abgestumpften Geschmackssinn. Zwar nicht mit so ernstem Hintergrund wie die von Firmenboss Luciano Benetton in Auftrag gegebenen und von Oliviero Toscani fotografierten Kampagnen, die auf politische, gesellschaftliche und soziale Missstände hinwiesen, aber deshalb nicht minder fragwürdig.

In den kommenden Tagen werden die Plakate durch neue ersetzt, die ihre Botschaft hoffentlich unaufdringlicher mitteilen. Manchmal ist auch in der Werbung weniger mehr.