Ein vierköpfiges, internationales Forscherteam hat das Rätsel um den Doppelstern DI Herculis gelöst. Neue Messungen und Analysen bringen das System nach 30 Jahren endlich mit Albert Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie in Einklang. Gleichzeitig jedoch wirft die Nature-Publikation neue Fragen zur Entstehung und Entwicklung derartiger Doppelsterne auf. 

Herculis war vielen Forschern ein Dorn im Auge.
Simon Albrecht, Astrophysiker

DI Herculis ist, wie die meisten Sternsysteme, ein Doppelsternsystem, in dem sich zwei Sterne beständig umkreisen. Die Sterne von DI Herculis brauchen dafür nur wenig mehr als zehn Tage und sind somit sehr schnell. (Die Erde braucht immerhin ein Jahr, um die Sonne zu umkreisen.) Aufgrund ihres geringen Abstands erscheinen die beiden Sterne am Himmel hierbei wie ein einzelner Stern – alles Eigenschaften, die auf viele Doppelsternsysteme zutreffen können.

Bis vor Kurzem war DI Herculis dennoch eine Besonderheit. Negativ ausgedrückt: "Herculis war vielen Forschern ein Dorn im Auge", sagt Simon Albrecht vom Leiden Observatorium in den Niederlanden, denn "er wurde von manchen als Gegenbeweis zur Relativitätstheorie geführt".

Wenn Sterne einander umkreisen, dann tun sie es auf einer festen Bahn, dem Orbit. Die Lage des Orbits verschiebt sich mit der Zeit. "Die Relativitätstheorie macht ganz klare Vorhersagen, wie sich die Sterne auf ihren Bahnen relativ zueinander bewegen sollten", sagt Sabine Reffert von der Landessternwarte in Heidelberg.

"In den achtziger Jahren beobachtete man mehrere Systeme, in denen es zunächst so aussah, als würde die Relativitätstheorie nicht greifen", erklärt Albrecht. "In den darauffolgenden Jahren konnte jedoch durch bessere Messungen das Gegenteil bewiesen werden." Bei allen bis auf DI Herculis – bis heute.