Grau und schroff, überzogen mit Staub und Kratern – so sieht die Oberfläche des Mondes aus, wie wir sie heute kennen. Doch einst, so vermuten Forscher, umgab den Kern des Mondes eine Hülle flüssigen Gesteins: der Magma-Ozean. Als dieser erstarrte, soll sich das leichte, aluminiumhaltige Mineral Plagioklas abgelagert haben, ein Bestandteil des Gesteins Anorthosit, welches die Mondkruste bildet, die wir heute sehen.

Schon in den Gesteinsproben der Apollo-Missionen fanden sich eben jene Anorthosite und untermauerten die Theorie. Nun haben Forscher um Makiko Ohtake von der Japan Aerospace Exploration Agency (Jaxa) herausgefunden, dass nicht bloß der Boden in der Nähe der Landestellen aus nahezu reinem Anorthosit besteht, sondern weite Teile der gesamten Mondoberfläche.

Die Wissenschaftler haben die Hochländer der Mondkruste mit Hilfe der Raumsonde Kaguya untersucht, die über Spezialkameras und ein Spektrometer verfügt und den Mond in einer Höhe von 100 Kilometern umkreist. Die Sonde lieferte erste, hochauflösende Bilder, anhand deren Lichtspektrum die Forscher die Zusammensetzung des Mondgesteins erkennen können. Die Ergebnisse wurden im Magazin Nature veröffentlicht.

Das Gestein auf dem Mond von einer Sonde aus zu beobachten, anstatt einzelne Proben zu untersuchen, hat einen entscheidenden Vorteil: "Man kann großflächig arbeiten und bekommt so ein globales Bild vom Mond", sagt Ulrich Christensen, Direktor am Max-Planck-Institut (MPI) für Sonnensystemforschung. "Gleichzeitig ist es möglich, sich auf besonders interessante Stellen zu konzentrieren." Dies haben die japanischen Wissenschaftler getan und sich vor allem Einschlagskrater von Asteroiden angeschaut, denn "dort sieht man noch unveränderte Kruste", erklärt Ralf Jaumann vom Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum. Darin fanden die Wissenschaftler Gestein, das zu nahezu 100 Prozent aus Plagioklas bestand. Dies sei das Neue an dieser Arbeit, sagt Christensen. "Denn dadurch bekommen wir eine bessere Vorstellung davon, wie viel Anorthit sich tatsächlich in den Magma-Ozeanen abgelagert hat."

Die Ergebnisse bestätigen darüber hinaus, was Mondforscher bereits wussten. "Sie sind ein Hinweis darauf, dass der Magma-Ozean existiert hat", sagt Jaumann. "Ein endgültiger Beweis dafür sind sie nicht." Auch 40 Jahre nachdem Astronauten erste Gesteinsproben vom Mond zur Erde brachten, ist die Entstehungsgeschichte des Erdtrabanten also noch immer nicht geklärt.