Unter dem Königspalast von Qatna im Westen Syriens haben Tübinger Wissenschaftler eine Gruft mit menschlichen Knochen und kostbaren Grabbeigaben gefunden. Die rund 3500 Jahre alte Grabkammer kam bei Ausgrabungen am Nordwestflügel des Palastes zum Vorschein, der aus dem 14. Jahrhundert vor Christus stammt.

Eine Felstür führt direkt vom Palast in die geräumige Gruft. Diese ist 4,90 mal 6,30 Meter groß und wird durch eine aus dem Fels ausgesparte Trennwand in Hälften unterteilt, berichten die Archäologen um Peter Pfälzner vom Tübinger Institut für die Kultur des Alten Orients.

Neben unschätzbaren Reichtümern fanden die Forscher sterbliche Überreste von mindestens 50 Menschen. "Mittlerweile haben wir weit mehr als 1000 Knochen und 50 Schädel entdeckt. Wir aber noch nicht, wie viele Menschen tatsächlich dort bestattet wurden", erklärt Pfälzner.

Bei den Toten handele es sich "möglicherweise um Angehörige der königlichen Familie oder um Mitglieder des Hofstaates von Qatna". Darauf würden erste anthropolgische Untersuchung hinweisen. So fanden die Forscher heraus, dass die Bestatteten einst "wohlgenährt waren und nicht hart arbeiten mussten", erklärt der Archäologe.

Die Stadt Qatna war in der Mittleren und Späten Bronzezeit Vorderasiens eines der bedeutendsten Königtümer Syriens. Bereits 2002 hatten die Archäologen dort eine Königsgruft entdeckt. Die heutige Ausgrabungsstätte liegt 200 Kilometer nördlich der Hauptstadt Damaskus, in der Nähe der Großstadt Homs.

Der jetzige Fund ist vor allem deshalb von Bedeutung, weil die Gruft vor Grabräubern verschont geblieben war. "Man ist als Archäologe nur selten der Erste", sagt Pfälzner. "Hier scheint die Zeit in den letzten 3000 Jahren stehen geblieben zu sein" So fand der Forscher zum Beispiel eine Öllampe, deren Docht noch rußgeschwärzt ist, "als wäre die Flamme gerade erst ausgepustet worden."

Außerdem wurden die Knochen in einer ganz besonderen Anordnung gefunden: Sie waren zu Gruppen aufgeschichtet – Holzreste weisen darauf hin, dass einige davon in Kisten abgelegt wurden. "Das ist ein klarer Hinweis darauf, dass die Leichname zunächst in einer anderen Form bestattet und die ungewöhnlich gut erhaltenen Knochen dann umgebettet wurden", sagen die Tübinger Forscher.