Der Mann

Wilhelm von Humboldt, so schlug der Freiherr vom Stein vor, sollte Chef des preußischen Erziehungswesens werden und von den Schulen bis zum Universitätswesen alles auf Vordermann bringen. Was für eine Chance! Aber der Privatgelehrte, Staatstheoretiker und Sprachforscher, der seit 1802 als Diplomat in Rom lebte, war alles andere als begeistert.

Gelehrte zu dirigieren ist nicht viel besser als eine Komödiantentruppe unter sich zu haben
Wilhelm von Humboldt

"Was lässt sich jetzt im Preußischen tun, wo man so wenig Mittel hat? Gelehrte zu dirigieren ist nicht viel besser als eine Komödiantentruppe unter sich zu haben", sagte er und bat den König, in Rom bleiben zu dürfen. Aber nichts da! Es musste sein, per Kabinettsorder vom 10. Februar 1809 wird Wilhelm von Humboldt zum "Direktor der Sektion des Kultus und öffentlichen Unterrichtes" berufen.

Und legt dann doch voller Elan los. Ideen hat er genug, was Sinn und Zweck der Universität betrifft: Keine reine Ausbildungsstätte, keine Paukschule sollte sie sein, sondern ein Ort, an dem Lehrende und Lernende eine Gemeinschaft bilden, wo sie in Freiheit diskutieren und universelle Bildung erwerben, ihre individuellen Interessen und Charaktere ausformen, ihre Humanität entwickeln können. Der Staat sollte sich raushalten. "Einsamkeit und Freiheit", so Humboldt, bräuchten die Professoren und Studierenden zur Entfaltung. Wissen ist nicht dazu da, auswendig gelernt zu werden, Wissen soll erarbeitet, hinterfragt, weiterentwickelt werden!

Aber was nützen die ganzen Ideen, wenn sie in der Luft schweben? Ideen müssen auf die Erde, eine Universität braucht Wände, die Worte der Gelehrten müssen widerhallen, Professoren und Studenten einander in Fluren und Hörsälen leibhaftig begegnen. Wohin?