Die Theorie ist bestechend. Energie ohne Ausstoß von Kohlendioxid, rund um die Uhr, unabhängig von Wind und Sonnenschein. Doch der Ruf der Stromgewinnung aus Erdwärme ist erschüttert. Denn immer wieder kommt es vor, dass unter den geothermischen Kraftwerken die Erde bebt.

Vor knapp drei Jahren rumorte es in Basel mit einer Stärke von bis zu 3,4. Im August und September wackelte die Erde im pfälzischen Landau, vermutlich steckte auch dort der Betrieb eines Erdwärmekraftwerks dahinter.

Es klingt paradox – in vielen Fällen legen es die Geoingenieure regelrecht darauf an, Erdbeben auszulösen. Denn nur so können sie die Hitze des Untergrunds richtig nutzen. Um die Wärme aus dem Boden zu holen, pressen sie Wasser bis in vier, fünf Kilometer Tiefe, damit es sich dort auf weit über 100 Grad Celsius erhitzt, und pumpen es über eine zweite Bohrung wieder an die Oberfläche.

Je mehr Wasser durch den Untergrund strömen kann, desto besser. Doch oft gibt es im Gestein nur wenige Spalten und der erwünschte Flüssigkeitskreislauf gleicht einem Rinnsal. Mit Hilfe von Erdbeben können die vorhandenen Spalten erweitert werden, der Fels wird durchlässiger.

Bei dem "Hot-Dry-Rock"-Verfahren wird dazu massenhaft Wasser in die Tiefe gepumpt. Die Flüssigkeit ändert das Volumen und somit die Spannung im Fels – bis das Gestein zerreißt und größere Spalten entstehen. Das zigfache Aufbrechen der Gesteine ruft unzählige Erdbeben hervor, die aber gewöhnlich so schwach sind, dass Menschen sie nicht bemerken, nur sensible Messgeräte.

Anfangs war das auch in Basel so. Als die Techniker immer mehr Wasser nach unten schickten, waren die Erschütterungen plötzlich sehr deutlich zu spüren. Schäden in Höhe von gut fünf Millionen Euro wurden gemeldet. Die Forderungen waren nicht immer gerechtfertigt, sagen Insider. Doch die Verantwortlichen wollten die Debatte nicht noch weiter anheizen und ihre Versicherung zahlte.

Warum es zu den unerwartet heftigen Erschütterungen kam, habe man immer noch nicht genau verstanden, sagt Nicholas Deichmann vom Schweizerischen Erdbebendienst in Zürich. Er und seine Kollegen haben den Fall eingehend untersucht und ihre Ergebnisse im Fachblatt "Eos" veröffentlicht (Band 90, Seite 273).