Welche Macht getriggerte Erdbeben haben, zeigte sich im Mai 2008 in der chinesischen Provinz Sichuan. Wahrscheinlich durch den raschen Massenzuwachs in einem gefluteten Staubecken änderten sich die Spannungsverhältnisse im Untergrund. Mehrere Erdstöße mit einer Stärke von bis zu 7,9 waren die Folge. Mindestens 60 000 Menschen starben.

Wie müssen lernen, mit dem Risiko zu leben
Cristian Klose, Seismologe

"Dass das Beben durch menschliche Aktivitäten ausgelöst wurde, ist noch nicht offiziell anerkannt", sagt der Seismologe Christian Klose von der Columbia-Universität in New York. Die Datenlage sei aber sehr deutlich. Die will der Experte für menschgemachte Beben bald in einer Fachzeitschrift veröffentlichen. Der Artikel ist derzeit im Review-Verfahren.

Es müssen aber nicht mal getriggerte Erdbeben sein, um eine Technik in Misskredit zu bringen, wie am Beispiel der Geothermie zu sehen ist. Der Züricher Seismologe Nicholas Deichmann kommt zu einem ernüchternden Schluss: "Bei der Technik sind einige grundsätzliche Fragen noch nicht beantwortet, so dass man nicht von ,ausgereift’ sprechen sollte."

Er ist sich ziemlich sicher, dass derartige Projekte noch häufiger Erschütterungen hervorrufen, wenngleich auch keine verheerenden. "Wir stehen noch weit am Anfang der Lernkurve", sagt er. "Es wird wahrscheinlich unmöglich sein, auch mit fortschreitendem Wissen, spürbare Erdbeben völlig auszuschließen."

Doch wozu? "Jede Form der Energiegewinnung, von Kernkraft bis Wasserkraft an Staudämmen, hat ihre Risiken", sagt er. Bei der Erdgasförderung oder dem Kohleabbau gebe es relativ häufig Erschütterungen. "Das ist weitgehend normal, die Bergbaufirmen bezahlen den Schaden und es gibt kaum große Aufregung." Sein Kollege Christian Klose sieht das genauso: "Auch bei Tiefengeothermie müssen wir lernen, mit dem Risiko zu leben."