Schlecht zu sehen trenne von den Dingen, schlecht zu hören trenne jedoch von den Menschen, hat Immanuel Kant bemerkt. Der Königsberger Philosoph hat dabei vor allem an die sprachliche Kommunikation gedacht. Tatsächlich meiden viele ältere Menschen, deren Gehör sich verschlechtert, größere Partys oder Lokale mit Musikuntermalung.

Besonders prägend ist die Einschränkung aber für die Menschen, die ihr von Geburt an unterliegen: Eines von 1000 Kindern kommt schon mit einer beidseitigen Hörstörung auf die Welt, die so schwer ist, dass es ohne Behandlung seine Muttersprache kaum erlernen kann.

Je früher eine solche Behandlung einsetzt, umso besser. Im Juni des vergangenen Jahres hat der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen deshalb beschlossen, dass allen Neugeborenen in den ersten Tagen ihres Lebens ein Hörtest auf Kosten der Krankenkasse zustehen soll, seit Januar ist die entsprechende gesetzliche Bestimmung in Kraft. Damit besteht nun in Deutschland erstmals die Chance, Hörstörungen flächendeckend ganz früh zu erfassen.

Ob und in welchem Ausmaß Kinder mit Hörstörungen tatsächlich vom Screening profitieren werden, darüber soll in einigen Jahren das Deutsche Zentralregister für kindliche Hörstörungen Auskunft geben. Nach dem Willen des Gesetzgebers soll hier nicht nur erfasst werden, wie viele kleine Ohren gleich in den ersten Lebenstagen getestet wurden – sondern auch, ob die Behandlung sich durch den frühen Test verbessert hat. Die Berliner Screening-Zentrale, in der die Daten zusammenfließen sollen, ist in der Klinik für Audiologie und Phoniatrie der Charité angesiedelt.

Die Tests, die nicht wehtun und am besten gemacht werden, während das Baby schläft, finden meist noch in der Entbindungsklinik statt, die Eltern können dafür aber auch zum Kinderarzt oder zum HNO-Arzt gehen. Es gibt zwei verschiedene Verfahren dafür, und bei beiden muss das Kind nicht aktiv mitwirken.

Für die Messung der "otoakustischen Emissionen" (OAE) wird eine kleine Sonde in den äußeren Gehörgang eingeführt. Der Test basiert darauf, dass ein normales Innenohr nicht nur Schall empfangen, sondern auch aussenden kann: Die Sonde gibt leise Geräusche ab, die ins Innenohr geleitet werden, wo die Hörschnecke mit ihren Sinneszellen sitzt. Erreichen die Töne ihr Ziel, dann antworten die Sinneszellen mit Schwingungen, die als Schallwellen vom Innenohr zurück ins äußere Ohr übertragen werden. An der Sonde ist ein Mini-Mikro befestigt, das die Schallwellen aufnimmt und ihre Stärke misst. Ein schwaches oder ganz fehlendes Signal kann auf eine gestörte Schallaufnahme im Innenohr hinweisen.