Mehr als ein Jahr stand der größte Teilchenbeschleuniger LHC (Large Hadron Collider) am Teilchenforschungszentrum Cern in Genf wegen Reparaturarbeiten still. Bis spätestens morgen früh sollen wieder die ersten Teilchen auf die etwa 27 Kilometer lange Rundstrecke geschickt werden, meldete das Cern heute.

Die Anlage wurde am 10. September 2008 mit großen Erwartungen in Betrieb genommen, fiel aber wegen eines Defekts im Kühlsystem nur neun Tage später aus.

Sollten die ersten Tests erfolgreich verlaufen, dann werden in naher Zukunft Protonen und Blei-Ionen nahezu auf Lichtgeschwindigkeit in der riesigen Röhre kreisen und in einer Frontalkollision die Geheimnisse der Physik freigeben, so hoffen die Physiker. Auch wird den Gegnern des Projekts wieder Stoff für apokalyptische Szenarien geliefert.

Die Wissenschaftler hoffen mit den Ergebnissen aus dem LHC, den Grundbausteinen der Materie auf die Spur zu kommen. Einer dieser Bausteine ist das Higgs-Teilchen, das eine Antwort auf die Frage liefern könnte: Was ist Masse oder warum gibt es masselose Teilchen? Der Start des ersten Teststrahls wird jederzeit erwartet.

Nach den Pannen im vergangenen Jahr stehen die Wissenschaftler am Cern jetzt unter erheblichen Erfolgsdruck. Scheitert das bislang größte wissenschaftliche Experiment der Geschichte, hätte es nicht nur mindestens 3,2 Milliarden Euro verschlungen, sondern auch die Hoffnungen vieler Wissenschaftler mehr über Schwarze Löcher und den Urknall – den Ursprung allen Lebens – zu erfahren.