Frage: Seit Januar 2009 leiten Sie das CERN – und mussten sich gleich zum Start mit einem im Wortsinne riesigen Problem auseinandersetzen: dem Ausfall des gigantischen Teilchenbeschleunigers LHC. Haben Sie in den vergangenen zehn Monaten schon einmal bereut, nach Genf gegangen zu sein?

Rolf-Dieter Heuer: Nein, denn ich wusste ja, was mich erwartet. Problemlösung gehört mit zum Aufgabengebiet eines Generaldirektors.

Frage: Wie ist der aktuelle Status des LHC?

Heuer: Die eigentlichen Reparaturen waren schon Ende des Frühjahrs abgeschlossen. Was länger gedauert hat, waren die Vorbereitungen dafür, dass sich ein solcher Vorfall möglichst nicht noch einmal wiederholt. Das heißt, wir haben im gesamten Ring eine viel empfindlichere Elektronik eingebaut, die Temperaturschwankungen und Widerstandsänderungen sehr viel genauer messen kann als das Vorgängersystem. Das funktioniert auch schon sehr gut, muss allerdings noch einmal durchgetestet werden.

Wir haben insgesamt 250 Kilometer Kabel neu verlegt, mehr als 6000 neue Elektronikkarten mussten gebaut werden, die ganze Software dazu geschrieben werden – das alles hat seine Zeit gedauert. Jetzt ist der LHC wieder auf Betriebstemperatur – und damit einer der kältesten Punkte im Universum.

Frage: Wie kalt genau?

Heuer: 1,9 Kelvin (entspricht minus 271 Grad Celsius). Nach erfolgreicher Abkühlung konnten wir vor einigen Tagen auch bereits erstmals einen Teilchenstrahl in den Beschleuniger einbringen, mit sehr gutem Erfolg.

Frage: Ist der LHC damit wieder fit für die Forschung?