In der exklusiven Atmosphäre der Ungarischen Akademie der Wissenschaften kommen heute die Welt-Forschungsführer zusammen. Am Donau-Ufer gegenüber des Schlossbergs von Buda beginnt in Budapest das Weltwissenschaftsforum.

Die Überschrift des Treffens lautet etwas kryptisch "Wissen und Zukunft". Doch die Inhalte sind handfest: Die mehr als 500 Forschungspolitiker und Leiter führender Forschungseinrichtungen und Förderorganisation aus knapp 80 Staaten der Erde werden sich wohl in erster Linie Sorgen um die zukünftige Finanzierung von Wissenschaft und Technologie machen. Denn die Gelder dafür fließen im Schatten der Finanzkrise nicht mehr so üppig wie in der Vergangenheit.

Um Finanzielles soll sich jedoch nicht alles drehen. So will man auch beraten, wie vorhandenes Wissen besser genutzt werden kann, um die globalen Probleme unserer Zeit zu lösen. Allerdings lassen sich echte Forscher kaum aus ihren Labors weglocken. Neben den beiden Nobelpreisträgern Werner Arber, der 1978 den Medizin-Preis erhielt, und Ahmed Zewail, Preisträger für Chemie 1999, sind es vor allem junge, aber in ihren Bereichen bereits international anerkannte Wissenschaftler, die hier ihre eigene Zukunft mitgestalten wollen.

Dazu gehören beispielsweise der Pharmakologe Máté Oláh von der Semmelweis Universität in Budapest. Er ist der Sekretär des Netzwerks junger, herausragender Forscher. Auch Jenny Bäsemann aus dem norwegischen Tromsö, Direktorin des Verbandes der Polarforscher steht Beginn ihrer Karriere und macht sich für junge Wissenschaftler stark.

Frauen sind gerade in den Naturwissenschaften überall auf der Welt immer noch unterrepräsentiert. Die Runde führender Wissenschaftlerinnen ist zwar gewachsen, doch müssen Persönlichkeiten wie etwa die stellvertretende Generaldirektorin der Atomenergieagentur, Ana Maria Cetto, oder Penny D. Sackett, die oberste Wissenschaftlerin Australiens und Chef-Beraterin ihrer Regierung, in Budapest nach neuen und effizienteren Wegen suchen, um die Rolle der Frauen in der Wissenschaft zu stärken.

Angesichts der besonderen Bedrohung der armen Länder durch Klima- und Umweltveränderungen dürfte vor allem die Veranstaltung über wissenschaftliche und technologische Vorsorge und Nachhaltigkeit die verhältnismäßig zahlreichen Wissenschaftsorganisatoren aus Entwicklungsländern anziehen.

Ein brisantes Thema ist auch die "Wissenschaftskommunikation". So könnte es bei der Diskussion zwischen den Chefredakteuren der beiden großen, konkurrierenden Wissenschaftsmagazine Nature und Science, Phillip Campbell und Bruce Alberts auf der einen Seite, und Marin Dacos auf der anderen hoch hergehen. Ist doch Dacos als Direktor des Open Electronic Publishing Center in Frankreich einer der vehementesten Verfechter des freien und kostenlosen Zugangs zur internationalen Forschungsliteratur.