Was sind die Folgen unseres Handelns? Diese beinahe schon existenzielle Frage stellen sich auch Wissenschaftler weltweit. Und das müssen sie auch – in Zeiten von Gen- und Nanotechnik, Klima- und Naturkatastrophen, die der Mensch mitverursacht hat, ist es unverzichtbar vorauszuschauen. Denn hinter dem Nutzen neuer Technologien stehen auch immer mögliche Gefahren und Risiken für Gesundheit und Umwelt.

Ein brisantes Thema, das auf dem diesjährigen Weltwissenschaftsforum, das gerade in Budapest zu Ende gegangen ist, heiß diskutiert wurde. Gelingen soll die Beantwortung allerdings nicht im Alleingang von Forschung und Wissenschaft. Die Forderung, Wissenschaft besser in der Gesellschaft zu verankern, durchzog fast alle Veranstaltungen des Weltforums, das sich in Analogie zum Weltwirtschaftsgipfel als "Davos der Wissenschaft" sieht.

"Es muss erste Priorität sein, eine Brücke zwischen den beiden Kulturen der Sozial- und Naturwissenschaften zu bauen", sagte Penny D. Sackett, die oberste Wissenschaftlerin von Australien und Chefberaterin ihrer Regierung. Sie sagte das auf der Sitzung zur Wissenschafts- und Technikfolgenabschätzung, die die chinesische Akademie der Wissenschaften organisiert hatte. Yonglong Lu, Direktor des chinesischen Büros für Internationale Kooperation, hatte dazu all die Länder an einen Tisch gebracht, deren Regierungen systematische Programme zur Folgenabschätzung eingeführt haben.

Für Japan ist dieses Thema relativ neu. Mit Unterstützung aus Finnland hat es erst vor wenigen Jahren ein Projekt aufgelegt, das eine deutliche Wendung von den traditionellen Technikwissenschaften hin zu den Sozialwissenschaften bewirkte. In der Praxis führte es sogar dazu, dass sich jetzt auch das Land der Mitte mit Recyclingwirtschaft auseinandersetzt. "Japan hat bisher nie irgendwelche gesellschaftlichen Aspekte in der Technikfolgenabschätzung berücksichtigt", gab Hiroshi Nagano zu, der Minister für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie.

Die ambitionierteste Strategie legte jedoch China vor, das in seinen Folgenabschätzungen über 50 Jahre hinweg blicken will. Dennoch blieb Linxiu Zhang vom Institut für Geografie und Nationale Ressourcenforschung ganz bodenständig und bescheiden, als er sagte: "Wir müssen als erstes die unterschiedlichen Ausbildungsniveaus zwischen Stadt und Land ausgleichen, damit die Menschen Wissenschaft und Technik besser verstehen lernen."

Bessere Ausbildung und mehr Informationen waren denn auch die häufigste Empfehlung, mit der viele Wissenschaftler glaubten, eine meist gleichgültige, manchmal dennoch kritische Bevölkerung für sich und ihre Ziele zu gewinnen.

Der Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi warnte vor Versuchen, die Gesellschaft von oben herab für Wissenschaft und Technik begeistern zu wollen. Der emeritierte Professor für Unternehmensforschung an der Claremont Universität in den USA riet stattdessen, die Wissenschaft müsse danach fragen, welche Anregung sie aus der Bevölkerung braucht, um akzeptiert zu werden. Er widersprach dem gängigen Förderkonzept, dass Forschung schnell zu Produkten führen müsse: "Man sollte zwischen Grundlagenforschung und angewandter Entwicklung eine Barriere einbauen, damit die Wissenschaftler ihre Erfindungen nicht gleich an den Meistbietenden verkaufen, bevor nicht die Konsequenzen der Erfindung und Nutzen oder Schaden für die Gesellschaft abgeschätzt werden können."