"Geboren von Maria, der Jungfrau" – nicht zufällig steht diese berühmte Textzeile im Credo, dem christlichen Glaubensbekenntnis. Schließlich verlangt es einiges an Glauben, diese Behauptung wörtlich zu nehmen. Jungfrauengeburt? Das widerspricht aller menschlichen Erfahrung, jeder medizinischen Logik. Zumindest im Tierreich aber scheint es so etwas zu geben.

Jedenfalls taucht der literarische Begriff "Jungfrauengeburt" immer wieder in Meldungen über neue Erkenntnisse der Zoologie auf, typischerweise kurz vor Weihnachten. Vor drei Jahren berichtete das renommierte Wissenschaftsmagazin Nature am ersten Advent von einer "virgin birth" beim Komodo-Waran (Varanus komodoensis), der größten lebenden Echsenart.

Ein Jahr darauf beschrieben Biologen das Phänomen bei eine Hammerhai-Art: Nachweislich ohne Zutun eines Männchens waren Nachkommen entstanden.

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Wissenschaftler sprechen von "Parthenogenese", einer ungeschlechtlichen Fortpflanzung, für die sich Eizellen zu teilen beginnen und sich ohne vorherige Befruchtung ein Embryo bildet.

Das Fremdwort setzt sich ganz biblisch aus den altgriechischen Begriffen für "Jungfrau" und "Geburt" zusammen. Das klingt nach Weihnachtslegende, taugt aber nicht für naturalistische Spekulationen über Maria: Für höhere Säugetiere wie dem Menschen wird eine Parthenogenese ausgeschlossen.

Im Übrigen handelt es sich dabei um eine Fortpflanzung zweiter Klasse. Denn kleinen Komodo-Waranen und Hammerhaien (oder Nachkommen bestimmter Arten von Krebsen, Schnecken, Schlangen und Insekten), die nichtgeschlechtlich entstehen, fehlt etwas. Nicht das Erbmaterial zweier Elterntiere tragen sie in sich, sondern nur das mütterliche.

Das ist schlecht für die genetische Vielfalt in einer Population und begünstigt Erbkrankheiten. Dass Weibchen, die den Jungfrauentrick beherrschen, ihn nur anwenden, wenn sie – etwa in Gefangenschaft – kein geeignetes Männchen finden, ist da kein Wunder.

Hinter dem Türchen vom 14. Dezember verbirgt sich die Antwort auf die Frage: Hingen Weihnachtsbäume früher an der Decke?