Bei der Frage, ob Schenken glücklich macht, stellt sich zunächst eine weitere: Wen macht es glücklich? Den Beschenkten, der voller Vorfreude und Erwartung das glitzernde Papier aufreißt? Oder den Geber, der angespannt die Reaktion des Gegenübers abwartet?

Regelmäßige Umfragen in Deutschland ergeben, dass sich etwa 85 Prozent der Menschen über Geschenke freuen. Warum, lässt sich neurobiologisch begründen: Unser Belohnungssystem reagiert auf positive Ereignisse mit einer Ausschüttung der Glückshormone Dopamin und Opioid.

Erkennbare Freude macht zudem den Gebenden glücklich, denn es signalisiert: Du hast etwas richtig gemacht. Problematisch wird es, wenn das Geschenk missfällt. Die Etikette diktiert, dass sich der Beschenkte dies nicht anmerken lässt – schließlich hat sich das Gegenüber Mühe gegeben.

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Dabei kommt es gar nicht selten vor, dass man zum falschen Präsent greift. Der US-Ökonom Joel Waldfogel will errechnet haben, dass allein in den USA alljährlich 13 Milliarden Dollar zu viel für Geschenke ausgegeben werden.

Seine Befragungen ergaben, dass den Beschenkten ihre Präsente im Schnitt 20 Prozent weniger Wert sind, als sie den Schenker tatsächlich gekostet haben. Wäre es da nicht besser, lieber gleich nur Geld zu verschenken?

Geldgeschenke sind in unserer Kultur weitgehend verpönt. Sozialwissenschaftler stellen aber fest, dass sie innerhalb einer bestimmten Hierarchie doch geduldet werden: Oma und Opa dürfen ihren Enkelkindern durchaus Geld zustecken, auch die Eltern ihren erwachsenen Kindern. Anders herum könnte ein Geldgeschenk an die Eltern so interpretiert werden, dass diese auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind – eine beschämende Situation.

Schon der römische Philosoph Seneca wusste, dass "das Schenken [...] keine leichte Sache" ist. Ihm haftet ein Paradox an: Gemeinhin wird es als freiwillige, großzügige Geste definiert, häufig zielt es aber auch auf eine Gegenleistung ab.

Der verstorbene französische Ethnologe Marcel Mauss beschäftigte sich mit dem Phänomen. So fand er bei den Maori ein Wort, dass die ganze Problematik des Schenkens zusammenfasst: Hau – der Geist in den Dingen. Wenn wir ein Geschenk bekommen, wohnt darin dieser Geist, der uns an den Schenkenden bindet. Man wird ihn nur los, in dem man ihm ebenfalls etwas schenkt.

Hinter dem Türchen vom 9. Dezember verbirgt sich die Antwort auf die Frage: Warum küsst man sich unter dem Mistelzweig?