Liebe auf den ersten Blick – der Spruch ist zwar abgenutzt wie das Versprechen der ewigen Liebe, enthält aber mehr als nur ein Fünkchen Wahrheit. Die körperliche Attraktivität eines Menschen ist von entscheidender Bedeutung bei der Partnerwahl – entgegen der hartnäckigen Ansicht, sie wäre es nicht und es käme nur auf die inneren Werte an.

Die körperliche Erscheinung eines Menschen zeugt von seiner Gesundheit, Jugendlichkeit und Widerstandskraft – oder eben nicht. Das Aussehen ist somit ein wichtiger, schnell einzuschätzender Faktor für die Wahl des Partners. Nur welche Kriterien sind verantwortlich für einen positiven Eindruck?

Bernhard Fink und Nadine Samson von der Universität Göttingen beschäftigen sich genau damit.Für "Science TV" , einer Video-Reihe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), haben die  Evolutionspsychologen ihre Forschungsarbeiten mit der Kamera dokumentiert. Dabei gilt: Schönheit ist gleich sexuelle Attraktivität. Diese variiert aber von Kultur zu Kultur und von Mensch zu Mensch.

Die Evolutionspsychologie beschäftigt sich mit den Veränderungen im Partnerwahlverhalten des Menschen im Laufe der Zeit. Was noch vor hundert Jahren als schön galt, ist es heute nicht mehr. Die Wissenschaft geht davon aus, dass die Wahl des Partners vor allem biologische Wurzel hat, da sie besonders der Sicherung des Nachwuchses gilt.

So gibt es keine festen Regeln, aber Tendenzen und Gesetzmäßigkeiten, mit denen man Schönheit bewertet. Für Frauen muss der Mann größer sein als sie selbst. Auch der Testosteronwert entscheidet darüber, ob ein Mann als attraktiv empfunden wird oder nicht. Bei Frauen ist die Körpergröße nicht besonders wichtig. Aber nicht nur die körperlichen Attribute sind entscheidend, sondern auch wie der Partner sich bewegt und tanzt. 

Die Forschergruppe in Göttingen versucht mit moderner Technik das menschliche Bewertungssystem zu begreifen. Wohin schauen Versuchspersonen bei fremden Menschen zuerst und welche Gesichtspartien sind besonders wichtig? Fest steht, dass es nicht den Traummann und die Traumfrau gibt, sondern jeder seine eigenen Vorzüge hat. Auch bleibt die Frage, ob der bevorzugte Mund mit den schönsten Augen überhaupt zusammen ebenfalls am schönsten wahrgenommen werden. Denn gerade in der Biologie liegt die wahre Schönheit in ihrer Vielfalt.

(Sie finden täglich eine neue Folge der aktuellen Reihe in der rechten Spalte im Videoplayer des Ressorts Wissen)