Es ist nicht gerade häufig, dass in der Medizin Erfolge schneller und durchschlagender sind als von ehrgeizigen Forschern erwartet. Vor allem nicht auf dem eher frustrierenden Terrain der Bekämpfung von Fettleibigkeit und ihrer gesundheitlichen Folgen.

In jedem Jahr wird inzwischen 200.000 sehr dicken Amerikanern, meist mit einem Body Mass Index (Gewicht in Kilo geteilt durch Körpergröße in Metern) von mehr als 40, das übermäßige Essen durch einen chirurgischen Eingriff erschwert. Dabei wird entweder der Magen verkleinert ("Magenband") oder es werden Teile des Magens, des Zwölffingerdarms und des Dünndarms vom Weg, den die Nahrung nimmt, abgekoppelt ("Magen-Bypass").

Ihre medizinische Rechtfertigung finden solche Eingriffe in der Hoffnung, mit den Pfunden auch die Gesundheitsrisiken dahinschmelzen zu lassen. Vor allem der "Alterszucker" (Diabetes vom Typ 2) kann mit dem Abspecken wirkungsvoll bekämpft werden, wie unzählige Studien inzwischen beweisen.

Die Hälfte der Übergewichtigen, die in den USA bisher operiert wurden, litt denn auch zu diesem Zeitpunkt schon unter der Zuckerkrankheit. Dass sich Monate bis Jahre nach dem Eingriff dank der notgedrungen kleineren Portionen ihr Diabetes bessern würde, war also zu erwarten. Tatsächlich zeigte der Eingriff in 80 bis 90 Prozent der Fälle die erwünschte Wirkung.

Für Überraschung sorgte jedoch ein genauerer Blick auf die zeitlichen Abläufe: "Da gab es Menschen, die an die 150 Kilo wogen, bei denen schon eine Woche nach dem Eingriff der Diabetes nicht mehr vorhanden war, den sie bereits seit Jahren hatten", berichtete der Chirurg Markus Büchler von der Uni Heidelberg, gestern bei einer Presseveranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Dass das Messer des Chirurgen gegen Diabetes wirkt, weil Operierte weniger mit Messer und Gabel "sündigen", kann also nicht die ganze Erklärung sein.

Darauf deutet auch eine Studie hin, für die normalgewichtige zuckerkranke Ratten operiert wurden: Obwohl die Versuchstiere danach sogar zunahmen, besserte sich ihr Diabetes. Ist es da nicht eine gute Idee, auch schlanke Menschen mit "Alterszucker" durch einen Magen-Bypass von ihrem Stoffwechselleiden und der jahrelangen Einnahme von Medikamenten zu befreien? "Die Antwort ist ein vorsichtiges Ja", meint Büchler. Zusammen mit seinen internistischen Kollegen will der Chirurg im Januar in Heidelberg jedoch zunächst eine Studie starten, für die Typ-2-Diabetiker den Magen-Bypass bekommen, die mit zehn bis 15 Kilo zu viel nur leicht übergewichtig sind.