Am 27. Juni 2007 stellte Craig Venter sein komplettes Genom online, ein doppelter Chromosomensatz mit sechs Milliarden Buchstaben. Er war damit der vollständig sequenzierte Mensch. Am 6. Juli folgte James Watson, Entdecker der DNS-Doppelhelix. Die Kosten beliefen sich bei Venter auf 30 Millionen, bei Watson noch auf rund eine Million Dollar. Seitdem sinkt der Preis pro Erbgut-Satz, und manche Forscher glauben, dass 1000-Dollar-Genom könnte in zehn Jahren Wirklichkeit werden.

Entscheidend ist natürlich die Frage, was es eigentlich bedeutet, das eigene Erbgut jederzeit abrufbereit auf einem USB-Stick zu haben. Bisher nicht viel. Der Versuch, den genetischen Informationen Sinn zu verleihen, steckt noch in den Anfängen. Zwar gibt es Tausende von Krankheiten, die jeweils durch ein einzelnes defektes Gen verursacht werden. Aber diese monogenen Krankheiten sind allesamt selten.

Um Größenordnungen schwieriger ist es, die genetischen Wurzeln häufiger Leiden auszugraben, also etwa von Herzkrankheiten, Diabetes oder Krebs. Bei ihnen trägt neben der Umwelt eine Vielzahl von Gen-Varianten zum Krankheitsrisiko bei. Oder dazu, dass die Menschen gut geschützt sind.

Im Mittelpunkt der Genforschung steht nicht ohne Grund die Krebskrankheit. Denn das entfesselte und zerstörerische Wachstum eines Tumors ist wesentlich auf genetische Veränderungen (Mutationen) in der Zelle zurückzuführen. Krebs ist eine genetische Krankheit.

Zwei Großvorhaben haben sich zum Ziel gesetzt, die genetischen Wurzeln von Tumorleiden umfassend aufzudecken: Das Krebsgenom-Projekt des Sanger-Instituts und der Krebsgenom-Atlas des Nationalen Krebsinstituts der USA. Der Umfang dieser Projekte ist gigantisch. Wenn man das Erbgut der 50 häufigsten Krebsarten durchleuchte, könne die Menge an entzifferter Erbinformation leicht das 10.000-fache des Humangenom-Projekts erreichen, hat Francis Collins, Begründer des Krebsgenom-Atlas, festgestellt. Die Wissenschaft könnte also in DNS-Daten förmlich ertrinken.