Der südasiatische Monsun ist Segen und Strafe zugleich. Er ist verantwortlich für Überschwemmungen und Katastrophen, aber auch der wasserbringende Spender für ganz Indien und Südostasien. Ohne die Niederschläge während der Regenzeit, wäre der kontinentale Gürtel von Indien bis Vietnam nahezu ausgetrocknet und die gewaltigen Flüsse, wie der Ganges und der Mekong würden sich in kleine Rinnsäle verwandeln.

In den klimatischen Vorgängen im Hochland Tibets sahen die Forscher bislang die treibende Kraft des Monsuns. Neue Untersuchungen und ein Computermodell lassen Zweifel an der alten Theorie aufkommen.

William Boos und Zhiming Kuang von der Harvard Universität in Cambridge, USA, simulierten das Aussehen der Landschaft in Tibet und simulierten hier die Atmosphäre unter verschiedenen Bedingungen. Ihre Ergebnisse, die im Magazin Nature erscheinen, lassen darauf schließen, dass sich das Zentrum der feuchtwarmen Luft des Monsuns nicht über dem 5000 Meter hohen tibetischen Plateau befindet, sondern über Indien.

Die trockene kalte Luft des Himalayas schirmt dieses Zentrum zusätzlich gegen den Einfluss aus Tibet ab. Zwar lösen die feuchtwarmen Luftmassen des Plateaus lokal starke Regenfälle aus, diese beschränken sich allerdings auf die südliche Region Tibets und haben fast keine Auswirkungen auf Gebiete südlich des Himalaya-Gebirges.

Im Modell konnten die Forscher nachweisen, dass eine Veränderung des Plateaus nur regionale Unterschiede mit sich führte. Außerdem unterstreichen die Ergebnisse die Rolle des Himalayas als entscheidender Faktor für das asiatische Klima. Das höchste Gebirge der Welt isoliert die feuchtwarme Monsunluft von den Einflüssen extratropischer Kaltluft.

Auch wenn das Hochland Tibets keinen großen Einfluss auf das südasiatische Klima hat, glauben die Forscher, dass es für Wetterveränderungen im Osten Asiens verantwortlich ist.